17. Rotkreuzhelfertag in Wuchzenhofen: 230 Rotkreuzler bilden sich fort

Samstagmittag, Essenszeit. In der Mehrzweckhalle in Wuchzenhofen ist kaum noch ein Stuhl frei. Orange und Weiß sind die vorherrschenden Farben, dicke Rotkreuzjacken hängen über den Stühlen. Zum 17. Mal ist Rot-Kreuz-Helfer-Tag im Kreisverband, eine Weiterbildungsmöglichkeit für fast 250 Ehrenamtliche. Pause ist angesagt. Neben Essen ist auch noch Kommunikation gefragt. „Das ist das Schöne an solchen Tagen“, sagt Kreisgeschäftsführer Jörg Kuon, „wir haben neben dem fachlichen auch den kameradschaftlichen Austausch.“ Er selbst hat eben referiert und das neueste DRK-Projekt namens „Glücksbringer“ vorgestellt, bei dem Patienten noch ein letzter Wunsch erfüllt werden soll. Auch Kreisbereitschaftsleiterin und Organisatorin Monika Brugger freut sich über die ehrenamtlichen Rotkreuzler aus dem gesamten Altkreis Wangen, die den Weg in die Schule und die Mehrzweckhalle gefunden haben. „Dass wir die Räume kostenlos nutzen dürfen ist eine große Hilfe für uns“, sagt sie. Der Helfertag wird beim Kreisverband Wangen jährlich durchgeführt, ehrenamtliche Rotkreuzler aus allen sieben Ortsvereinen können hierbei wichtige Punkte sammeln. Um zum Beispiel als ehrenamtlicher Helfer im professionellen Rettungsdienst arbeiten zu können, müssen jährlich 30 Stunden anerkannte Fortbildungen geleistet werden. 27 verschiedene Kurse sind im Angebot, als Referenten konnten im Vorfeld unter anderem Notärzte, Heilpraktiker, Polizisten und auch ein Karatelehrer gewonnen werden.

Die Themenauswahl ist bunt, für jeden Teilnehmer ist etwas dabei. Von Klaus Schuhmacher, der früher Polizeihunde ausgebildet hat, erfahren Interessierte alles über das Thema „Vom Welpen zum Rettungshund“. Zum Beispiel auch, dass große Hunde schnell ermüden und kleine bei der Vermisstensuche in den Brombeeren hängen bleiben. Auch die zahlreichen Jugendlichen vom Jugendrotkreuz finden etwas. Viele von ihnen sind nachmittags bei der Selbstverteidigung zu finden. Karatelehrer Marvin Hinze zeigt Tricks und lässt paarweise üben. „Hand nehmen, zur Seite drehen, fertig“ – seine Erklärungen sind nachvollziehbar, zumal der Freiwillige in Sekundenbruchteilen verdreht auf dem Boden liegt, und machen den 25 Teilnehmern sichtlich Spaß. Draußen im Hof sind die bayerischen Kollegen mit einer Terrorismusabwehrübung zugange.

Auch Referent Wolfgang Dieing hat volle Reihen nach der Mittagspause vor sich. Sein Thema: Das Auffinden einer Leiche – Interessantes aus der Rechtsmedizin. Es geht um Waschhautbildung, Schusswunden und Hautschädigungen. Unterschiede zwischen Ersticken, Ertrinken und Verbrennen werden genannt. Trotz ernstem Thema gibt es öfter mal einen Lacher. Der Kreisverbandsarzt weiß, wie er seine Kollegen und Mitstreiter in Sachen Menschlichkeit trotz ernstem Thema bei Laune hält.

„Sehr interessant“, sagt Elmar Veit vom Ortsverein Leutkirch, der auch als Notfallsanitäter arbeitet und gerade den Vortrag „Kinder als Notfallpatienten“ von Jörg Bamberger gehört hat. „Gerade weil nur fünf bis zehn Prozent unserer Einsätze Kinder sind, ist die fehlende Routine oft ein Problem“, erzählt er. „Da kann man nicht oft genug etwas darüber hören“. Andere Stoffwechselvorgänge, andere Anatomie und das Umfeld Eltern müsse schließlich auch immer noch miteinbezogen werden.

Einen ganzen Tag opfern die Ehrenamtlichen für ihre Fortbildung. Für die Verpflegung ist jeweils der örtliche Ortsverein zuständig, Obstkörbe und Getränke stehen vor allen Türen, das gemeinsame Frühstück und das Mittagessen für fast 300 Personen erfordern schon eine eigene Organisation und sind ganz wichtig im Tagesverlauf. „Alles ist wieder rund gelaufen,“ so Brugger, die am Ende des Tages noch eine Überraschung präsentiert. Der Ortsverein Isny darf den Defibrillator mitnehmen, der als Siegerpreis beim Landesentscheid 2018 an die Kreisbereitschaftsleitung gegangen war. Die Isnyer hatten am Samstag beim kleinen Wettbewerb die Nase vorn.