Al bringt den Blues mit Herzblut

Leutkirch – „Ich kann meine Hausaufgaben nicht mehr machen“ singt Al Jones, „weil ich immer nur an dich denke“. Liebe, Liebesleid, Verlassen werden, Alleinsein, dazu ein leerer Geldbeutel – das sind die Themen, die im Blues besungen, beweint werden. Manchmal recht pathetisch, oft aber auch schnörkellos. Al ist der Blueser, der nicht zu dick aufträgt, die Botschaft umso glaubwürdiger rüberbringt. Wenn er dabei seine Gitarre sprechen lässt: Wow. Al Jones, geboren 1951 mit Taufnamen Alfred, ist unbestritten einer der besten Bluesgitarristen Deutschlands. Auch wenn er überwiegend in kleineren Clubs spielt, in denen noch etwas mehr Publikum Platz gefunden hätte, wie am Freitagabend im Bocksaal. Al hat seinen eigenen Ausdruck längst gefunden.

Mit den Jahren wird er immer noch besser. Dabei steht der Sohn eines First Sergeant der US-Armee und einer Frau aus Weiden/Oberpfalz seit gefühlten Ewigkeiten auf der Bühne. Etwa mit „Embryo“ beim Chaos-Festival in Fehmarn, nach dem verspäteten Auftritt von Jimi Hendrix. Larifari-Chef Ralf Manthei begrüßt zum fünften Auftritt von Al in L.A. (Leutkirch.Allgäu). Der steigt flott ein, warming up. Rhytm´n´Blues. Das zweite Stück ist von Otis Rush, der im letzten September gestorben ist. Einer seiner Heroes. Auch „Can´t do my homework anymore“, das kommt später, stammt ebenfalls von Rush. Beim Blues denken viele zuerst an B.B.King – Al Jones bevorzugt die weniger pathetische Spielart, ist auch kein heulender Wolf. Louisiana Red (mit dem er auf Tour gewesen ist). Muddy Waters. T-Bone Walker. Eigene Stücke sind aus diesem Fundus entstanden, und aus dem eigenen Herz. „Viele gehen in die Falle der eitlen Schönspielerei“, hat Al Jones einmal gesagt. „Aber du musst deinen eigenen Ton finden“.

Sanft. Zärtlich.Funky. Vorwärtstreibend. Floatend. Smooth. Al Jones beherrscht viele Sprachen, auf seiner speziellen Les-Paul-Epiphone oder auf der Fender Sqier. Auch am Mikro. Zur Seite stehen zuverlässig der Drummer sowie Bernhard Schönke – ein Urgestein aus gemeinsamer Vergangenheit. Und links von ihm spielt Yvonne Isegrei aus Memmingen auf der Sunburst-Strat. Sieht aus wie ein Twen, zart, ist aber doch lebenserfahrener als es den Anschein hat. Beherrscht die Blues-Patterns, feine, schnelle Finger. Solo kann sie auch. Im Vergleich zum erdigen, jede Mininote auf Feeling bringenden Al, klingt sie etwas brav. Steigert sich im Laufe der Konzerts, wird freier, selbstbewusster. Macht in der Zwiesprache mit Al eine bella figura. Singt klar, direkte Ansprache. So wird auch „I just wanna make love to you“ zum nachklingenden Erlebnis. Willy Dixon hat den Song damals für Muddy Waters geschrieben, Etta James ihn zum Hit gemacht.Al Jones´Gitarre wird energisch, dann sanft. Ein Kerl, der herzlich lachen kann. Mit Gefühl und Energie.

Bildunterschrift: Bestens aufeinander eingestimmt: Al Jones und Yvonne Isegrei
Text + Fotos: Bernd Guido Weber

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