Alexander Kainz holt den 14. Weltmeistertitel nach Leutkirch: RID-Urkunde für fast 500 verschiedene Postkarten von Schloß Neuschwanstein

Gebrazhofen – Die Idee, Weltrekorde aller Art im sogenannten Guinnessbuch der Rekorde jährlich zu veröffentlichen, stammt aus Mitte der 50-er Jahre mit Büro/Redaktion in London. Mit Alexander Kainz aus Gebrazhofen war schon mehrmals ein Titel aus der Region Leutkirch im Buch vertreten. Seit kurzem hat der leidenschaftliche Sammler, Elvis- und Karl-May-Fan sowie Heimatinteressierte mit einer ganz anderen Art Sammlung die Urkunde für einen Weltrekord eingeheimst: 472 Postkarten mit unterschiedlichen Motiven von Schloß Neuschwanstein. Mit sage und schreibe 13 verschiedenen Pyramiden kam Alexander Kainz schon zu Weltrekord-Urkunden, bzw. diversen Eintragungen ins Guinnesbuch, fünf Mal mit einer Münzenpyramide.

Der Guinnessbuch-Verlag hatte früher Büros in ganz Europa, auch in Deutschland, wo Olaf Kuchenbecker die Rekorde bearbeitete. Inzwischen agiert Kuchenbecker selbständig mit der Gründung des REKORD – INSTITUT für DEUTSCHLAND (RID) und ist Anlaufstelle für Rekordjäger aus dem deutschsprachigem Raum. Er arbeitet auch Rekorde auf, die in den letzten Jahren gelangen, u.a. auch die Münzenpyramide von Alexander Kainz, die er 2009 zusammen mit seinem Neffen Patrick aufschichtete.  Dazu brauchte er nicht nur viel Material, sondern auch Zeit und Geduld. Ob es 14.000 leere Zigarettenschachteln oder Flaschenverschlüsse sind, 40.000 Pfennige und zuletzt 62.000 Cent-Stücke zu Pyramiden verbaut – es ist eine gewisse Leistung, aber eben Hobby und schlecht bezahlt: Ein Schreiben, eine Urkunde und mit viel Glück einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde.

Erster Sammler-Weltrekord für Kainz

Mit 472 verschiedenen Motiven von Schloß Neuschwanstein auf Postkarten bewarb er sich als Rekord-Sammler. Alles wurde geprüft, bevor der Titel verliehen wurde. In mehreren Ordnern hat Kainz alle Karten gut sortiert und griffbereit: Sommer und Wintermotive, schwarz-weiße und farbige, gemalte und fotografierte Schlösser, kitschig, witzig, mit und ohne König Ludwig, mit und ohne Berge. Auch metallic-glänzende oder 3-D-Karten gibt es in seiner Sammlung, bei manchen kann man Türchen öffnen und es kommen weitere Bilder zum Vorschein. Das Schloss wurde schon von allen Seiten abgelichtet, auch von der Marienbrücke aus, von oben, von unten, es gibt unzählige Motive und jedes ist in der Sammlung nur einmal vertreten.

Kainz im Schatten des Adels

Warum gerade Schloss Neuschwanstein? Zum einen hat das Schloss dem Sammler gefallen, er war oft dort, hat Postkarten gekauft und zusammengetragen, in den letzten zehn Jahren ganz intensiv. Auch aus anderen Sammlungen, von Börsen, Flohmärkten oder Haushaltsauflösungen kamen immer wieder Postkarten dazu. Viele sind beschriftet und mit Briefmarken und Poststempel versehen, was aber für den Weltrekord nicht relevant ist, für den Sammler schon. Die älteste Karte stammt aus dem Jahr 1895, also knapp zehn Jahre nach dem Tod des sogenannten Märchenkönigs 1886. Bald danach öffnete das Land Bayern das Schloss zur Besichtigung, um Eintrittsgelder zu bekommen. Es begann bald ein großer Ansturm, der bis heute mit Millionen von Besuchern aus aller Welt anhält.

Der Stammbaum Kainz führt an den Hof von König Ludwig II

Niemals hätte sich der König, die Bewohner der Umgebung und noch weniger das Land Bayern träumen lassen, dass dieses außergewöhnliche Schloss, einst mit Schulden belastet, zum „Weltstar“ wird, vergleichbar mit den Pyramiden, dem Grand Canyon oder der Alhambra. Genauso dachte Alexander Kainz wohl kaum daran mit Schloss-Neuschwansteinpostkarten zu Ehren, bzw. zum Rekord zu kommen. Nicht nur die Vorderseiten sind amüsant, auch die Schriften oder Texte, wie die aus 1899, die fast niemand mehr entziffern kann, Karten mit Hitler-Briefmarken aus der Nazi-Zeit oder amüsante Texte von Urlaubern aus den 70- und 80-er Jahren, auch von US-Amerikanern.

Kainz – der Name hat zudem mit dem legendären König Ludwig II zu tun. Darauf kam Alexander Kainz, als er seinen Stammbaum zurückverfolgte, bis jetzt ist er im Jahr 1762 angekommen. Dabei tauchte ein seinerzeit sehr bekannter Schauspieler namens Joseph Gottfried Ignaz Kainz auf, der von 1858 bis 1910 gelebt hat und ein direkter Vorfahre von Alexander Kainz ist. Joseph war der Sohn des Bruders des vierfachen Urgroßvaters von Alexander und ist damit blutsverwandt. Joseph Kainz wurde in Österreich, bzw. heute Ungarn geboren und kam als Schauspieler bei Wagner-Aufführungen, u.a. auch in die Grotte bei Schloß Linderhof, um vor dem König, einem begeisterten Wagnermusik-Liebhaber, zu spielen. Der König war von Joseph Kainz sehr angetan. Mehr dazu im Internet.

Von König Ludwig II geht die „Linie“ bis nach Schloß Zeil

Wie klein die Welt, und auch die der Adelswelt ist, weiß Sammler und Rekordjäger Alexander Kainz, im normalen Leben Bäcker in Gebrazhofen, auswendig. Ruck-zack hat er die Linie parat: Parallel zum Schauspieler Joseph Kainz, der ab 1881 vor König Ludwig II von Bayern spielte, geht die Linie auch beim Adel in Richtung Leutkirch-Schloß Zeil: König Ludwig ist der Neffe von Luitpold von Bayern, dessen Sohn ist Ludwig III, dessen Sohn Ruprecht wird der letzte bayrische Kronprinz. Der Sohn von Ruprecht ist Albrecht von Bayern, der wiederum der Vater von Fürstin Marie Gabrielle, Prinzessin von Bayern, ist. Sie wurde 1931 geboren und war die Ehefrau von Fürst Georg von Waldburg-Zeil, bzw. ist die Mutter von Fürst Erich von Waldburg-Zeil, der mittlerweile mit seiner Familie von Schloß Rimpach nach Schloß Zeil umgezogen ist.

Cafe Kainz am Weg zum Schloß

Hunderte von Kainz-Vorfahren hat Alexander Kainz in langwierigen Recherchen herausgefunden, vor acht Generationen waren die meisten von ihnen in Bayern und Böhmen zu finden. Kurioser Zufall: Im Jahr 1930 eröffnete auf dem Fußweg hinauf zu Schloß Neuschwanstein ein Café Kainz, das es bis heute gibt. Unglaublich: Alexander Kainz konnte keinerlei Verwandtschaft feststellen…
Wer Postkarten von Schloss Neuschwanstein hat und sie hergeben möchte, kann sich bei
Alexander Kainz, Tel. 07563/915 7755 melden. Egal, ob sie beschriftet oder
unbeschriftet sind.

Text und Fotos: Carmen Notz

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