Arkadi Adler feiert seinen 90. Geburtstag

Leutkirch – Wenn ich 100 Jahre alt bin, werde ich heiraten! Neun Jahrzehnte ist es nun her, dass Arkadi Adler am 29. Januar 1930 das Licht der Welt erblickte. Der ehrenamtliche Stellvertreter des Oberbürgermeisters, Waldemar Westermayer, überbrachte die Glückwünsche und Geschenke der Großen Kreisstadt Leutkirch, sowie die Urkunde vom Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Seine 90 Jahre sind ihm nicht anzusehen. Trotz vielen Kriegserlebnissen und -erinnerungen hat sich der Jubilar den Humor nicht nehmen lassen. Geboren und aufgewachsen ist Adler in dem kleinen Dorf Kleinliebental, welches zu Odessa in der Ukraine gehört. Seine Heimat ist vom Schwarzen Meer umgeben.

1941 marschierte Deutschland im zweiten Weiltkrieg in Russland ein, weshalb 1944 alle Ukrainer evakuiert werden sollten. Der damals vierzehnjährige Bub und seine Familie wurden mit einem Fuhrwerk über Moldawien, Rumänien, Bulgarien nach Serbien gebracht. Er zeigt den Weg auf der Landkarte für den sie drei Monate und 20 Tage benötigt haben. Von dort aus sollte es mit dem Zug für seine vier Geschwister und Eltern über Polen nach Deutschland gehen. Adler erzählt, dass sie bis zur Odergrenze gekommen sind und knapp vor dem Ziel 1945 von Russen aufgehalten wurden und nach Sibirien in ein Arbeitslager gekommen sind, da sie als Verräter angesehen wurden. Teilweise hatten sie bis zu Minus 42 Grad Celsius.

Da er noch jung war, wurde er früher entlassen und machte in Altai, einem Grenzgebiet von Kasachstan und Russland, eine Ausbildung zum Zimmermann und lebte und arbeitete hier. 1958 hat er seine Frau Lida geheiratet. Sie war Russin – er hätte sie nicht heiraten dürfen, wenn sein Vater noch gelebt hätte. Einen Sohn haben die beiden bekommen und haben sich 1963 in Kaluga, südlich von Moskau, niedergelassen. Mittlerweile ist Arkadi Adler Autokranfahrer. Diesen Beruf hat er 31 Jahre lang ausgeübt. 1992 endlich ging sein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung und bekam die Erlaubnis nach Deutschland zu ziehen. Zuerst für ein Jahr in das Erzgebirge und dann nach Leutkirch.

Er ist mittlerweile schon 63 Jahre alt. Zwei Enkel und vier Urenkel hat der rüstige Rentner, die allerdings in Russland leben. Ein einziges Mal sind sie all die Jahre hier gewesen, aber er fliegt jedes Jahr ab Memmingen nach Moskau, um sie zu besuchen. Von seinen Geschwistern leben noch eine Schwester und ein Bruder. Auch sie leben im Allgäu, somit können sie sich öfter sehen. Mit dem Fahrrad geht es jeden Morgen nach dem Frühstück zum Radweg Richtung Herlazhofen, von wo der Jubilar bis zur Brücke spaziert und wieder zurück. Dann wird gekocht; gibt es Krautsuppe. Gesundheitlich geht es ihm noch so gut, dass er sich komplett selber versorgt: vom einkaufen bis zum Haushalt. Nachmittags radelt er in die Ewigkeit nach Unterzeil und wieder zurück und genießt so die Natur und das Leben. Er fühle sich im Moment „pupu“ wie man auf russisch sagt und bedeutet so viel wie „pudelwohl“. Und wenn er 100 Jahre alt wird, dann wird er nochmal heiraten, fügt er schmunzelnd dazu.

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