Bayern baut die Staatsstraße aus

Altusried – Als die Kinder noch klein waren, „da mussten wir schon ganz schön aufpassen“. Hans-Jörg Dorn erinnert sich daran, wie es früher war, direkt an der Staatsstraße 1308 in Hettisried zu wohnen: gefährlich.

Nun sind die Kinder groß und Dorns Sorge, dass ihnen durch den Verkehr, der sich direkt vor seiner Haustür abspielt, etwas passieren könnte, hat sich erledigt. Dennoch: An der Wohnqualität der Familie hat sich nichts verändert. Umso mehr freut sich Hans-Jörg Dorn, stellvertretender Bürgermeister von Altusried und Bewohner Hettisrieds, darüber, dass sich nun endlich etwas ändert. Die Straße, die direkt an seinem Haus vorbeiführt, wird ausgebaut und in diesem Zuge ein Stück von seinem Anwesen weggerückt. 1,8Millionen Euro zahlen Freistaat Bayern und Landkreis Oberallgäu für diesen Bauabschnitt. Seit gestern ist die Straße voll gesperrt.

Straßenzustand wie im 19. Jahrhundert

Verkehrsaufkommen des 21. Jahrhunderts trifft auf Straßenausbauzustand des 19. Jahrhunderts: So beschrieb am Donnerstag vor Ort Bruno Fischle, Leiter des staatlichen Bauamts Kempten, die derzeitigen Gegebenheiten auf der Staatsstraße 1308. Denn mit einer Breite von fünf Metern sei die Straße, die von Kimratshofen nach Leutkirch führt, nicht ausgelegt für die 3035Fahrzeuge, die sich täglich darauf bewegen – knapp zehn Prozent davon ist laut Fischle Schwerlastverkehr.

Und der könnte, wie Altusrieds Bürgermeister Heribert Kammel ergänzte, noch mehr werden: Die Firma Milei in Adrazhofen will sich vergrößern. Was wiederum bedeuten würde, dass mehr Großfahrzeuge auf der Straße unterwegs seien. Welche Folgen der Schwerlastverkehr auf engen Straßen haben kann, betonte wiederum Fischle, habe man in der Vergangenheit mehrfach beobachtet: Wenn sich LKW und LKW oder Laster und Landmaschine begegneten, kam es durch Ausweichen aufs Bankett zu Unfällen.

Solche Situationen soll es künftig auf der ausgebauten Straße nicht mehr geben. Direkt von der Landkreisgrenze zu Baden-Württemberg ab bis nach Hettisried wird derzeit auf einer Länge von 1,2 Kilometern gebaut. Laut Fischle wird die Straße um einen Meter verbreitert, ein Geh- und Radweg wird angelegt, die Kreuzung zur Staatsstraße OA 16, die nach Muthmannshofen führt, wird ausgebaut und es werden sichere Bankette geschaffen. 1,2 Millionen Euro zahlt der Freistaat für den Straßenausbau, 600000 Euro steuert der Landkreis für den Geh- und Radweg bei. Einziger Wermutstropfen für Altusrieds Bürgermeister Kammel: Das Land Baden-Württemberg mache derzeit kein Geld für den weiteren Ausbau der Straße auf baden-württembergischer Seite locker. Das bedeutet, dass die gefährliche Kuppe, die sich in einer Kurve direkt auf der Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern befindet, vorerst nicht abgeflacht und damit entschärft werden kann.

Vollsperrung sorgt mehrere Monate für Behinderungen

Dennoch sei es wichtig und gut, dass der Ausbau „endlich begonnen hat“, so Kammel. Denn es sei vorgesehen, die Arbeiten bis nach Kimratshofen fortzusetzen. „Dann haben wir im gesamten Gemeindegebiet eine sichere und gute Verbindung für Fußgänger und Radfahrer“, freute sich der Altusrieder Rathauschef. Auch wenn der Geh- und Radweg bis nach Kimratshofen die Gemeinde einiges kosten werde: Bei rund 200000 Euro (nach Abzug der Förderungen) liegt der Anteil Altusrieds nach Schätzungen von Planer Kurt Seeler vom Mai dieses Jahres.

Doch jetzt geht es erst einmal um den Abschnitt zwischen der Landesgrenze und Hettisried. Bis Ende April 2014, schätzt Fischle, werden die Arbeiten dauern – unter Vollsperrung der Straße. Dorn nimmt die damit verbundenen Behinderungen und die Umleitung gerne in Kauf. Um sein Verständnis musste Bauamtsleiter Fischle nicht mehr extra werben. Denn für die Anlieger, betonte Dorn, sei die bisherige Verkehrssituation wahrlich „nicht sehr befriedigend“ gewesen. Mit dem Ausbau wird’s besser, zeigte er sich überzeugt.

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