Blick in versteckte Räume und hinter die Kulissen – 40 Kinder besuchen „Anna und Paul“ im Museum im Bock

Leutkirch – Das Museum im Bock öffnete am Samstag die Pforten bis in die hintersten Räume für fünf- bis elfjährige Museumsliebhaber. Silvia und Roland Hess von der Heimatpflege entführten die Kinder in Orte, die normalerweise für Museumsbescher nicht zugänglich sind.
Die Mitmachaktion „Anna und Paul“ gibt es mittlerweile seit zwei Jahren und erfreut sich immer größer werdender Beliebtheit. Silvia Weitzenegger aus Leutkirch brachte ihre  Sohn heute zum ersten Mal hierher. Sie findet die Veranstaltung ein tolles Angebot, den Kleinen geschichtliche und heimatverbundene Themen kindgerecht näher zu bringen. Volker Bellmann seine Mädchen Milena und Emilia hingegen sind schon oft da gewesen, weil es einfach super interessant sei.

Viele Kuriositäten und Sammelsurien warteten auf die jungen Entdecker. Hierzu erklärte Hess zunächst das Wort „kurios“, nämlich seltsam, merkwürdig oder sonderbar. Und genau solche Gegenstände wurden vorgeführt. Da war ein Teller aus Holz mit einem Stock daran. Die Kinder kannten dieses Ding nicht. Ein Junge vermutete einen Stuhl, aber was für einer? Ein komischer Stuhl, nämlich ein Melkschemel. Weiter ging es mit einer Art Holzhobel. Da kamen die Kinder ziemlich schnell auf die Idee, man könne damit „Kartoffeln zerquetschen“ und lagen auch hier richtig. Es handelte sich um einen Kartoffelstampfer von früher. Danach ging es über die Sonderausstellung Muna einen geheimen Weg an einer historischen Werkstatt, der Seilerei vorbei in das Magazin, dem Materiallager des Museums.

Hier lagern alle Museumsstücke, die derzeit im „Dornröschenschlaf“ verweilen. Hier galt es viele besondere Geräte zu erraten. Feuerlöscher, Dreschflegel, Blasebalg, Nachttopf, Klostuhl, Krautstampfer, Zahnarztbohrer Feuerwehrpumpe und Marderfalle haben die Kinder gleich erkannt. Etwas schwierig zu ermitteln hingegen war der Schleifsteinhalter aus Holz, Kuhhorn oder Metall. Zwei Mädchen dachten an Trinkbecher oder an einen Hörnerschutz für Kühe. Sie waren allesamt sehr einfallsreich. Interessant waren auch die Löscheimer aus Leder, diese wurden beim Einsatz nicht so heiß wie metallene. Manche Kuriositäten kenne nicht mal Hess, gibt er zu, aber anhand von Nummern haben sie zusammen in der Inventarliste zum Beispiel herausgefunden, was eine Rolle mit Motiven und kleinem Besen daran sein könnte. Romy war überzeugt davon, es sei ein Springerlemodel. Laut Verzeichnis ist es eine Rolle für Malerarbeiten gewesen.

Eine kuriose Geschichte über einen speziell angefertigten Glaspokal gab Hess noch zum besten. 1873 sollte der König mit dem Zug Halt in Leutkirch machen. Worauf die Stadt mit der Blaskapelle, einem Chor und einem Geschenk in Form eines Glaspokals aus Schmidsfelden aufwarteten. Als es just an diesem Tag dann aber in Strömen regnete, fuhr die Majestät ohne anzuhalten an der wartenden Menge vorbei. Dank des Niederschlags steht der Pokal also heute im Museum, dafür die Allgäuer damals da wie begossene Pudel.

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