Das Sakrament des Muts Fast 50 junge Menschen haben sich vier Tage lang intensiv auf die Firmung vorbereitet

Leutkirch – „Viele, die wir angeschrieben haben, sind zur Firmung gekommen. Das ist stark“, freut sich Benjamin Sigg, Pastoralreferent und Organisator der Firmvorbereitung bei der katholischen Gemeinde St. Martin über die fast 50 Anmeldungen. Wieder findet die Firmvorbereitung in dieser intensiven, komprimierten Form statt. „Sie wachsen besser zusammen“, so Sigg, „wir verbringen viel Zeit miteinander und die Gemeinschaft stärkt die Jugendlichen.“ Das lateinische „firmare“, so der Patoralreferent, würde schließlich „stärken“ bzw. „Kraft geben“ bedeuten. Mutmacher ist das Motto, unter dem die diesjährige Firmvorbereitung steht. Vier Tage lang haben sich die 15- und 16-Jährigen auf das Sakrament der Firmung vorbereitet, am Sonntag war dann Schluss, mit einem großen Firmgottesdienst in St. Martin.

Seit Donnerstag war rund um die Kirche ein buntes Treiben – in Gemeindehaus, Schule, Kirche, Kindergarten: Überall gab es Gruppenarbeit zu Themen wie „Wer bin ich“ und „Was sind Sakramente“ oder auch „Wo schöpfe ich Mut“. Benjamin Sigg, der die Firmvorbereitung so jetzt zum vierten Mal organisiert hat, ist sicher, „ dass Gemeinschaft schließlich nur erlebbar ist, wenn Gemeinschaft praktiziert wird.“

Sein Konzept scheint aufzugehen. Die Jugendlichen kommen gern, haben Spaß und erfahren interessante Dinge – vor allem über sich selbst. „Wir haben heute einen Versuch zu Mobbing in der Stadt gemacht“, erzählt ein Schüler, „es war schon frustrierend, dass sich niemand eingemischt hat“. Ein anderer freut sich über die neuen Leute, die er kennenlernt und ein Dritter findet es cool, „dass es hier nicht so fromm zugeht und ich nicht ständig beten muss.“ Kirche findet trotzdem statt. Sigg ist es wichtig, „dass wir immer zusammen essen und morgens und abends tatsächlich auch in unserem Gotteshaus sind.“

Angeleitet werden die Jugendlichen von 13 Firmgruppenleitern, ehrenamtlichen Gemeindemitgliedern, die sich teilweise extra dafür Urlaub nehmen. Ein fünfköpfiges Frauenteam steht in der Küche. So wird die viertägige Zeit zu einem Intensiverlebnis. Theaterspielen, einen Film schauen und darüber reden, Bilder betrachten, über Freundschaft und Ehe sprechen, gemeinsam im Kreis tanzen – auch das kostet Mut. Dazu kommen „Gespräche mit Leuten, die der Kirche ein Gesicht geben“, wie Sigg es formuliert.

„Es ist schön zu sehen, wie schnell Unsicherheiten abfallen, obwohl viele der jungen Menschen ja schon jahrelang nicht mehr bei uns in der Kirche waren“, so Sigg. „Wir machen aber keinen Religionsunterricht und auch keinen Glaubens-Crashkurs, sondern bieten erlebte Emotionalität.“ Sigg ist sicher, „dass man ohne Beziehungsarbeit nämlich gar nicht über Glauben zu sprechen braucht.“

„Lasst Euch was einfallen“ fordern Gerlinde Schröter und Gabi Göser, die gemeinsam eine Gruppe leiten, ihre Jugendlichen auf. Die fünf Jungs und drei Mädchen sollen es gemeinsam schaffen, die Decke, auf der sie stehen, umzudrehen ohne, dass einer den Boden berührt. „Sie müssen miteinander reden“, so Göser. „Es ist toll zu sehen, wie sie ticken und wie sie auch Stillephasen aushalten.“ Die Jugendlichen lachen viel, halten sich gegenseitig und geben sich Tipps. Nach wenigen Minuten ist die Decke gedreht. „Seht ihr, ohne die Hilfe der anderen hättet ihr das nicht geschafft.“ Später werden sie noch darüber reden, was ihnen Mut macht, in der Schule, bei Freunden oder daheim. Und wozu es Mut braucht im Leben und wann sie dieser schon einmal verlassen hat.

Benjamin Sigg hat gemerkt, „dass die Jugendlichen ein großes Bedürfnis danach haben, langsam an das Thema Religion herangeführt zu werden“. Ihm ist natürlich klar, dass damit nicht gewährleistet ist, dass die jungen Menschen später eine Verbindung zur Kirche aufbauen oder die bestehende behalten. „Aber wir haben ihnen gezeigt, was stark machen kann, dass Enttäuschungen eben auch dazugehören, und vor allem haben wir ihnen Menschen präsentiert, denen Kirche wichtig ist.“ Und das waren in diesen Tagen gar nicht so wenige.

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