"Der Markt ist abgegrast"

Leutkirch/Region – Wie kann dem Fachkräftemangel in der Pflege abgeholfen werden? Die Allgäu-Pflege, eine gemeinnützige Gesellschaft, die Einrichtungen der Altenhilfe in der bayerischen Nachbarschaft betreibt, hat sich im europäischen Ausland mit zwölf jungen Fachkräften aus Spanien Verstärkung geholt. Die Schwäbische Zeitung erkundigte sich bei Altenpflegeeinrichtungen im Verbreitungsgebiet, ob sie diesen Weg auch schon gegangen sind.

„Fachkräftemangel ist bei uns großes Thema, aber wir sind noch nicht direkt betroffen“, sagt Christina Pirker, Leitung Marketing und Öffentlichkeitsarbeit beim Seniorenzentrum Carl-Joseph und der Hausgemeinschaft Vinzenz von Paul. Aber es sei wahnsinnig schwierig, Fachkräfte zu bekommen, Stellenanzeigen blieben unbeantwortet, erklärt sie. Bisher hätten sie noch keine Fachkräfte aus Südeuropa geholt. Ihr Rezept heißt Mitarbeiterbindung und Ausbildung und neue, ungewöhnliche Wege bei der Mitarbeitergewinnung zu gehen. Dazu gehört für sie, den Beruf positiv darzustellen und Zielgruppen richtig ansprechen. „Wir versuchen mit unkonventionellen Mitteln wie dem Alzheimer Poetry Slam die Jugend aus dem Bereich abzuholen, der ihr vertraut ist.“ Direkt danach habe es zwei Praktikantenanfragen gegeben, freut sie sich.

Verstärkung aus Portugal

Im Haus Sonnenhalde der Evangelischen Heimstiftung in Isny, gibt es auch noch keine südeuropäischen Pflegekräfte. Eine Mitarbeiterin kommt jedoch aus Russland. Sie ist als gelernte Krankenschwester eine Fachkraft, die derzeit aber mit dem Status Pflegehelferin arbeitet, bis sie den zweijährigen Sprachkurs beendet hat. Danach habe sie das Pflegezertifikat, so Pflegedienstleiterin Anita Thalau. In der Sonnenhalde habe es einen akuten Notstand vor einem Dreivierteljahr gegeben, derzeit seien sie aber mit Fachkräften voll belegt, erklärt sie. „Wenn was frei wird, dann wird es schwierig“, ist ihr bewusst. Deshalb hat die Evangelische Heimstiftung mit Sitz in Stuttgart bereits portugiesische Pflegekräfte rekrutiert, wie Marion Aichele, von der Abteilung Internationale Fachkräftegewinnung auf Anfrage erklärt, von denen aber noch keine in Isny gelandet ist. „Wir versuchen weiter, auch Pflegefachkräfte aus Italien und Spanien anzuwerben“, so Aichele.

Rodrigo Otey, vom Personalmanagement der Altenhilfe Stiftung Liebenau, erklärt, dass bisher weder „Heilig Geist Leben im Alter“ zu der das Stift zum Heiligen Geist in Bad Wurzach gehört, noch die „St. Anna Hilfe für ältere Menschen“ zu der beispielsweise St. Leonhard in Isny gehört, Pflegekräfte aus Südeuropa angeworben hätten. Im Moment suche er keine Fachkräfte, sagt Klaus Sonntag, Hausleiter des Stifts zum Heiligen Geist in Bad Wurzach, „aber wenn wir welche bräuchten, täten wir uns schwer. Der Markt ist abgegrast“.

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