Die Odilienkapelle in Allmishofen hat viele kreative Helfer und Ehrenamtliche – Tägliches Glockenläuten

Leutkirch – Viele sind schon an ihr vorbei geradelt oder gewandert, manche machen hier Halt, verweilen einige Zeit, genießen das wundersame Ambiente der Odilienkapelle an der Kreuzung, genannt Dreieck, in Allmishofen. Nicht nur der offene Baustil, auch die kreative Innengestaltung, die jahreszeitlich wechselnden Dekorationen sowie die Geschichte zur Entstehung dieser Kapelle im Jahr 2018 sind ein stimmiges Gesamtbild, das zudem die Dorfbewohner auf verschiedenen Ebenen miteinander verbindet. Initiatorin war Inge Detzel, die einen besonderen Bezug zu der Heiligen Odilie (oder Ottilie), Schutzpatronin des Elsass, erleben durfte, und den Wunsch verspürte, dieser Heiligen eine Kapelle zu widmen.

Der Gedanke, in Allmishofen eine kleine Dorfkapelle für die Heilige Odilie zu erstellen, beschäftigte Inge Detzel schon lange. Die um 650 n. Chr. blind geborene Odilia, die durch die Taufe sehend wurde, faszinierte die Allmishoferin sehr, nachdem sie eine Statue der Heiligen im Arlesheimer Dom gesehen hatte. „Sehend zu werden, nicht nur mit dem körperlichen, sondern auch mit den geistigen Augen, das hat mich umgetrieben und der Wunsch entstand, dieser Heiligen eine Kapelle zu widmen“, erzählt Inge Detzel. Ihr Sohn Lukas entwarf als Architekt den Bau.

Alle Generationen sind miteinbezogen

Zimmermann Johannes Zorn aus Leutkirch führte den Plan in traditioneller Holzbauweise mit Schindelung aus. Das Kupferdach der Kapelle unter einer Kastanie bleibt dadurch witterungsbeständig. Die Idee, alle Dorfbewohner jeder Generation miteinzubeziehen, fiel auf fruchtbaren Boden, besonders die Gestaltung des Innenraums in Zusammenarbeit mit der Isnyer Keramikerin Barbara Dransfeld, die die Frauen, Kinder und Jugendlichen des Dorfes zu sich einlud. So entstanden mit viel Leidenschaft die bunten Fliesen mit Landschafts- und Naturmotiven, mit Gesichtern sowie verzierte Tontafeln zur Umrahmung des Gesamtkunstwerks.

„Die Tonfliesen wurden von mir vorbereitet, ebenso die Naturmaterialien wie Körner, Samen und Hölzer, mit denen die jungen Künstler von 5 bis 15 Jahren ihre Reliefs eingravieren konnten“, erzählt Barbara Dransfeld. Sie hat anschließend die verzierten Tafeln mit Engobe (mit Oxiden gefärbter, flüssigerTon), bemalt und gebrannt.

Tonkugeln schweben im Innenraum

Die Allmishofer Frauen kamen ebenfalls mit ihr zusammen, um die Tonkugeln zu gestalten, die zahlreich in schönen Naturfarben von der Decke hängen. Damit die Kugeln leicht, bzw. innen hohl werden, mussten zwei handgroße Tonschalen zusammengefügt werden. Auch die verschieden großen Kugeln wurden mit Engobe und transparenter Glasur überzogen und gebrannt.

Unter dem offenen Glockenturm, kann man ein symbolisches Auge entdecken, das die Künstler Anton Geiselhart und Glasbläser Stefan Michaelis aus Metall und Glas geformt haben. Das Fensterelement in der Kapellenrückwand lässt viel Licht in die Raum. Von außen zieht es den Blick jedes Vorbeigehenden durch die offene Türe, wo Blumen und Kunstwerke in Harmonie vereint sind.

Besondere Zeit-Spenden der Bürger
Die Glocke wurde von den Allmishofern gespendet und im Glockenturm eingebaut. Eine Zeit-Spende der besonderen Art ist es, dass Georg Waizenegger seit März 2020 täglich um 19.30 Uhr die Kapellenglocke von Hand läutet, und die Dorfbewohner zum Gebet an die Hl. Odilie erinnert, sowie für die an Corona Erkrankten. Das ganze Jahr über sorgt Hilde Reich für frischen Blumenschmuck, derzeit mit reichhaltigem Erntedankaltar. Rudi Hellmann übernimmt die Gestaltung der Postkarten und Schriften.

Inge Detzel und ihre Familie freuen sich ganz besonders, dass es zusammen mit der Künstlerin Barbara Dransfeld, mit dem leidenschaftlichen Zuspruch der Allmishofer Bürger und Freunden tatsächlich gelungen ist, ein „Gemeinschaftswerk Dorfkapelle“ zu schaffen, das alle miteinander auf sozialer sowie spiritueller Ebene verbindet. Das alljährliche Patrozinium am 13. Dezember, zu dem auch das Odilienlied erklingt, und die Andachten stärken das tiefe Bewusstsein und die Wertschätzung der Allmishofer für ihre Odilienkapelle.

Biografie der Hl. Odilie:
Odilia wurde als Tochter von Herzog Aldarich im Elsass um 650 n. Chr. geboren, der sie als blindes (unnützes) Kind umbringen lassen wollte. Die Mutter rettete es in das Kloster Palma in Burgund. Ein Bischof taufte das Mädchen mit 12 Jahren, salbte ihre Augen und sie konnte fortan sehen. Zum Dank führte Odilia ein frommes Leben, gründete ein Kloster, und am Fuß des nach ihr benannten Odilienberges bei Straßburg, ein Spital. Hier entspringt auch die Odilie-Quelle, die als heilsam gilt. Als Schutzheilige des Elsass soll sie das Auge der Menschen für die wichtigen Dinge im Leben öffnen, die Erlösung von leiblicher und seelischer Blindheit bewirken.

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