Die Stunde der Zuckerhasen – mal rot, mal golden – Alles muss Hand in Hand gehen

Leutkirch – Familie Stöhr betreibt ihre Konditorei mit Cafe in dritter Generation; und gut 100 Jahre alt ist auch die Tradition des Hauses zum Osterfest eine große Schar von Zuckerhasen in verschiedenen Größen herzustellen. In Rot und Karamell stehen sie eingetütet und glänzend da, um bald in einem Osternest zu strahlen. Margit und Karl-Eugen Stöhr sowie Konditorgesellin Jannica Martin stehen in der Backstube bereit, jeder auf seinem Posten. Auf dem Gasherd kocht die Zuckermasse mit Bourbon-Vanille. Nach und nach kommt Butter dazu. Die kalten Osterhasenformen liegen bereit. „Die ganz alten Formen von meinem Opa Michael sind noch aus Eisen, später kam Zinn und Aluminium“, erklärt Konditormeister Stöhr.

Bei genau 160 Grad holt er die ockerfarbene kochende Masse im Kupferkessel vom Herd, seine Frau Margit gießt sie in die vorher geölte Form und stellt den Hasen aufrecht auf ein Gestell, damit die restliche Zuckermasse ablaufen kann. Karl-Eugen Stöhr schneidet dann die Fläche unten wieder glatt, damit die Hasen stehen. Jannica ist auf „Position 3“, sie klappt die Formen nach kurzer Zeit auf und holt die fertigen Hasen heraus. Erst die kleinen, dann die größeren, weil die länger zum Abkühlen brauchen.

Es kommt auf jeden Handgriff und jede Minute an

Die hübschen Figuren bekommen von ihr eine Glanzlackierung mit gutem Olivenöl und dann erkalten sie ziemlich schnell am offenen Fenster. Hier kommt es auch auf die Luftfeuchtigkeit an. Margit Stöhr tütet die Hasen, Hühner und Kücken dann gleich ein, damit sie nicht klebrig werden. Und schon bald kocht die Zucker-Butter-Masse erneut auf, der Kreislauf beginnt von vorne. Karl-Eugen Stöhr hat seit seiner Jugend bei seinem Vater Walter mitgeholfen, jeder Handgriff sitzt, alle arbeiten Hand in Hand. „Wenn der Ablauf nicht stimmt, stirbt der Zucker, er kristallisiert aus und die Hasen würden trübe erscheinen“, erklären die Stöhrs. So geht es circa zwei Stunden lang und das an einem Mittwoch in den Wochen vor Ostern. In einer Woche werden die roten Zuckerhasen mit Himbeersaft gegossen, in der nächsten die Karamell-Vanille-Hasen. Es entstehen Hunderte von Figuren, von 1 cm bis zu 50 cm Höhe. Der größte Hase hat sogar drei Formenteile. Es gibt Hasen mit Korb, mit Eiern oder mit einer Sektflasche. Ein Hase reitet sogar auf einem Storch.

Alle Motive sind sehr alt, aus der Vor- und Nachkriegszeit, die Opa Michael Stöhr 1931 mit nach Leutkirch brachte. Familie Stöhr ist in der Region die einzige Konditorei, die sich „diese Arbeit“ macht und die Kundschaft kommt von weit her, um die Zuckerhasen zu kaufen.

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