Dieses Jahr lodern keine Funkenfeuer – „Funken-Stille“ bei der Kolpingsfamilie Leutkirch und den Landjugendgruppen

Leutkirch – Dass es dieses Jahr keine öffentlichen Funkenfeuer geben würde, war den veranstaltenden Vereinen schon lange klar. Dies sind in Leutkirch die Kolpingsfamilie, die immer Hunderte von Menschen mit einem mächtigen Funken zur Wilhelmshöhe lockte, in den Teilgemeinden sind es meistens die Landjugendgruppen, die diesem ersten Höhepunkt im Vereinsjahr entgegenfieberten. Doch das Vereinsleben ruht, nicht mal das Einsammeln der Christbäume und der Aufbau des Funkens wären aufgrund der Corona-Maßnahmen erlaubt, geschweige denn eine Bewirtung. „Es ist schon eine tolle Traditionsveranstaltung, die wir dieses Jahr sehr vermissen. Das gemeinsame Erlebnis, mit dem Einsammeln von Tannen, Holz und Paletten, der Aufbau mit der Funkenhexe, die nächtliche Funkenwache, die Bewirtung der Gäste – das alles entfällt. Diese Arbeiten hätten wir gerne wieder übernommen, aber wir können nur auf 2022 hoffen“, so lautet das Resümee der meisten Landjugendgruppen auf Anfrage der Schwäbischen Zeitung und weiter: „Die Leut im Dorf kommen am Funken zusammen, die Kinder haben ihre helle Freude, es gibt meistens die erste Grillwurst des Jahres, Glühwein oder auch die traditionellen Funkenringe. Doch dieses Jahr geht es leider nicht.“

Alle Landjugendgruppen meinen, dass die Kosten und Einnahmen beim Funken sich meistens die Waage gehalten haben und kaum etwas für die Kasse geblieben sei, aber das war immer in Ordnung, denn es gehe hier um die Tradition und das Gemeinschaftserlebnis. Eine Alternative für den Funken hat sich keine Gruppe überlegt, ein Online-Funken geht eben nicht. Patrick Netzer von der Katholischen Landjugend (LJ) Heggelbach-Tautenhofen mit 25 Mitgliedern hofft, dass sie wenigstens das Maibaumstellen dieses Jahr machen können.

Schönes Erlebnis für die Dorfgemeinschaft

In Reichenhofen ist die Landjugend dem BDL angeschlossen und Ansprechpartner Johannes Eberle bedauert, dass man den Funken nicht machen kann. Besonders die Nachtwache und das Bewirten der Gäste wären schöne Erlebnisse und eine wichtige Veranstaltung für die Dorfgemeinschaft. Die rund 30 LJ-Mitglieder hoffen auf ihre Herbst-Party Endless Summer Night im Oktober.

Gordian Kraft war einige Jahre im Vorstand bei der LJ Urlau und hat die Funken mitorganisiert. „Es war eine super Sache, mit dem kleinen Traktor durchs Dorf zu fahren, alles abzuholen und dann waren ein bis zwei Bagger zum Aufschichten im Einsatz“, schwärmt er. Auch hier seien fast 30 Mitglieder und Helfer dabei und kümmern sich zwei Tage um Funken, Bewirten und ums Aufräumen.

In Gebrazhofen hat sich die Narrenvereinigung um Traditionen inklusive der Funkenfeuer gekümmert. Allerdings wurde 2020 beschlossen, im nächsten Jahr keinen Funken mehr zu machen, laut dem Vorsitzenden Jochen Krämer. In Merazhofen bedauert LJ-Vorstand Moritz Marka, dass das Vereinsleben derzeit sehr leidet, weil man sich nicht treffen und nichts organisieren könne. Der Funken sei eine besondere Veranstaltung und stärke den Zusammenhalt im Dorf und in der Landjugend.

Einnahmen für Spenden fehlen

Ein besonderer Aspekt kommt bei der Kolpingsfamilie Leutkirch zum Tragen, die seit Jahrzehnten den Funken auf der Wilhelmshöhe organisiert und bewirtet. „Funken-Meister“ Hans Rottmar und rund 20 Mitglieder haben den großen Funken aufgebaut, das Bewirtungszelt mit Grill-Einrichtung erstellt, Getränke, Würste und Funkenringe besorgt. „Wenn das Wetter ideal war, haben wir Hunderte von Grillwürsten sowie Funkenringe verkauft und es blieben zwischen 600 und 800 Euro im besten Fall“, erzählt Helge Reich vom Funken-Team.

Das Geld fehle dieses Jahr, aber nicht für die Vereinskasse, sondern das Geld ging als Spende an die „Aktion Brasilien“. Damit konnte man die Ausbildung von Jugendlichen oder von jungen Frauen unterstützen, als Handwerker oder als Büroangestellte. Auch die Einnahmen vom Gallusmarkt 2020 mit Glühwein- und Waffelverkauf fehlt der Kolpingsfamilie bereits.

Als Funkenersatz gibt es nur eines: „Die meisten Mitglieder werden mit ihren Familien ihren Christbaum, bzw. ein kleines Funkenfeuer im Garten machen“, schmunzelt Helge Reich und der Vorsitzende Martin Schmuck ergänzt: „Wir hoffen sehr, dass die Traditionen nach der Pandemie alle wieder aufleben, nicht nur die Funkenfeuer.“

Archivbilder: Funken in Reichenhofen der Landjugend und Leutkirch – Kolpingsfamilie

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