Ehrenamtliche Helfer sammeln Hunderte von Amphibien – Rettung vor dem “Überfahren-werden”

Leutkirch – Sobald die Nachttemperaturen über vier Grad steigen, wandern sie los, die Amphibien. Vom Wald, wo sie überwintern, geht es an die Paarungs- und Laichplätze in den Gewässern. Viele Ehrenamtliche sorgen in Leutkirch und einigen Teilgemeinden jedes Jahr für den Aufbau der Krötenzäune und das nächtliche Einsammeln der Tiere. Durch die strengen Corona-Maßnahmen müssen die Ehrenamtlichen dieses Jahr zu zweit oder als Familie losziehen, um Tiere zu retten. Am Repsweiher kann wegen der Lage im Wohngebiet nur ein kurzer Krötenzaun aufgestellt werden. Vor der Wanderung werden vom Bauhof ca. 100 Drahtgitter in die Gullies eingesetzt, damit an den Randsteinen entlang wandernde Amphibien nicht hineinfallen können.

„Die meisten Tiere werden von sieben Familien mit aktuellen und ehemaligen Kindern der Kindergruppe Rudi Rotbein von der Straße eingesammelt. Eine Anwohnerin kontrolliert zusätzlich
ein- bis zweimal täglich die Eimer am Krötenzaun. 2020 wurden ca. 550 Amphibien gezählt“, berichtet Wibke Wilmanns vom Umweltkreis, der die Aktion jedes Jahr organisiert. Der knapp 400 m lange Zaun an der Boschenmühle zwischen Wuchzenhofen und Ellmeney wird von sechs Ehrenamtlichen bzw. Familien ein- bis zweimal täglich kontrolliert. Hier wurden 2020
insgesamt fast 2300 Amphibien gesammelt. Der Zaun wurde Ende Februar von sieben Helfern mit Unterstützung von vier Bauhof-Mitarbeitern aufgebaut. Um zu verhindern, dass die Kröten unter dem Zaun hindurchwandern, wird der Zaun mit Sand beschwert. Der Sand und das Material wurde mit einem Schauffellader verteilt, was den Aufbau vereinfacht hat.

Hunderte Tiere laufen los – Rekord in einer Stunde: 400 Tiere

Bei Wuchzenhofen wurden in den ersten drei wärmeren Nächten bereits 300 Amphibien gerettet, ab 25. März wurden in zwei Nächten 400 Amphibien gezählt. Ein Rekord gab es in den frühen Abendstunden am 29. März mit 440 Amphibien in nur einer Stunde, die Markus Ege mit seiner Tochter sammeln konnte, eine sogenannte „Massenwanderung“.

Am Repsweiher hat die Wanderung dieses Jahr erst später begonnen, da ein Rückfall in den Spätwinter (Märzwinter) war. Es waren nur vereinzelt Kröten zu finden. „Obwohl es aktuell für die Amphibien viel zu trocken ist, dürfte die Wanderung weiter anhalten. Bleibt zu hoffen, dass der angekündigte Temperaturrückgang an Ostern moderat ausfällt, so dass die Wanderung nicht wieder zum Erliegen kommt. Durch das Auf und Ab der Temperaturen ist dieses Jahr sehr viel Geduld gefordert. Die Helfer in Wuchzenhofen sind schon seit fünf Wochen im Einsatz“, berichtet Wibke Wilmanns.

Infos vom Umweltkreis: In Baden-Württemberg gibt es 18 heimische Amphibienarten, davon gelten 13 als gefährdet. Seit dem Zweiten Weltkrieg gehen die Amphibien massiv zurück, was v.a. auf die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft und das deutlich höhere Verkehrsaufkommen zurückzuführen sei. In den letzen Jahren kommt auch noch der Klimawandel mit längeren trockenen Zeiträumen dazu.

Text: Umweltkreis u. C. Notz / Archivbilder

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