Ein Ende mit Schrecken

Leutkirch – 130 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe wurden kurz vor den Ferien in der Aula der Geschwister-Scholl-Schule Zeugen eines Terroranschlags. Eines gespielten Terroranschlags natürlich, der das dramatische Ende des Theaterstücks „(no) welcome“ markierte. Zwei Schauspieler des Ensembles Bühnengold hatten zuvor eine Stunde lang recht überzeugend ein jugendliches Geschwisterpaar gemimt. Die Schwester muss als Hausaufgabe die wichtigsten Punkte deutscher Geschichte im sogenannten kurzen 19. Jahrhundert recherchieren. Ihr Bruder will ihr dabei helfen, bis sie schließlich feststellt: „Ich habe Angst, dass du ein Nazi bist.“ Woraufhin er zugibt: „Okay, vielleicht stimmt nicht alles, was im Internet steht.“

Der Bruder ist es auch, der am Ende den Terroranschlag ausführt – überraschenderweise jedoch nicht als Nazi, sondern als Islamist, zu dem er mittlerweile geworden ist. Was lehrt uns das? Dass die Dynamiken und Prozesse, die hinter einer Radikalisierung stehen, einander sehr ähnlich sind. In welche Richtung es geht, ist dafür erst einmal zweitrangig.

Im anschließenden Gespräch zwischen Schauspielern und Schülern erklärten erstere, dass es deutlich einfacher sei, eine extreme Figur zu spielen, als eine differenzierte – und damit vielfältige – Rolle einzunehmen. Wichtig sei in jedem Fall, dass man die Rolle, die man einnimmt, verstehen müsse, inklusive der Beweggründe für ihr Handeln. Dabei war ihnen jedoch wichtig, darauf hinzuweisen, dass verstehen nicht heißt, gewisse Aussagen oder Handlungen zu entschuldigen.

Eine Schülerin bewertete das Theaterstück als „das beste, was ich je in meinem Leben gesehen habe“. Dazu trugen neben der authentische Darstellung der jugendlichen Geschwister sicher auch die Dialoge bei, die keine Meinung ausließen und auch kein Blatt vor den Mund nahmen. Finanziert wurde die Aufführung von „Demokratie leben!“ und dem Schulförderverein.

Bildnachweis: Stiftung St. Anna/Maria Hönig

Die Partnerschaft für Demokratie Leutkirch-Aichstetten-Aitrach wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Kontakt:
Maria Hönig (Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie Leutkirch-Aichstetten-Aitrach)
Stiftung St. Anna
Kemptener Straße 11, 88299 Leutkirch
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Tel. 0151 – 750 627 91

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