Eishockey: Der Leutkircher Simon Sengele ist Athletik-Trainer der Bulldogs Dornbirn

Leutkirch – Er war in fast 40 Ländern sportlich unterwegs: Als junger Skirennläufer der TSG-Skiläuferzunft ging es „nur in die Alpen“, als Trainer des DSV-Nationalteams der Damen reiste er quer durch Europa und andere Kontinente. Seit 2018 ist der Leutkircher Simon Sengele als Athletik-Trainer mit der Eishockey-Mannschaft „Bulldogs Dornbirn“ regelmäßig in sechs Ländern unterwegs. Winter-Schnee-Eis-Kälte, das war schon immer die sportliche Welt von Simon Sengele. Mit vier Jahren stand er erstmals auf Skiern, am Eschachlift lernte er die ersten Schwünge. Mit acht Jahren kam der begabte Skifahrer zur TSG-Skiläuferzunft ins alpine Rennteam, damals unter Leitung von Trainer Rainer Stoffel. Acht Jahre lang fuhr Simon Rennen, Super-G, Slalom und Riesenslalom. Die Bundeswehrzeit verbrachte er bei den Gebirgsjägern in Füssen.

Sein Berufswunsch war es, Trainer zu werden, hatte er doch im Skiverein schon Erfahrungen als Skilehrer gesammelt und den C-Trainerschein. Es kam die Chance, beim Skiverband in Liechtenstein die Nationalmannschaft als Co-Trainer zu managen, was Simon Sengele ohne Zögern annahm. Ab 2003 trainierte er die Nachwuchsmannschaft, darunter Tina Weirather, eine der Ski-Stars.Eine neue Herausforderung kam 2010 vom Deutschen Skiverband (DSV): Eine Trainerstelle für die Junioren war frei und Simon Sengele griff zu. „Den Fuß in der DSV-Tür“, konnte er dann zum Damen-Team wechseln, darunter Kira Weidle, Maike Pfister und Isabell Lang, die bei der WM und beim Weltcup vorne mitmischten. Nicht zuletzt dank dem Leutkircher Ski-Trainer Simon Sengele, der von 2016 bis 2018 als Co-Trainer der DSV-Weltcupmannschaft fungierte.

Viele Erfolge – Gedanken über die Zukunft

„In all diesen Trainerjahren war ich auf vier Kontinenten unterwegs, außer in Afrika. Es war ein Leben aus dem Koffer und der Trainingstasche, ein Leben, in dem nur Leistung, Rennfieber und Hundertstel-Sekunden zählten. Es gab tolle Erfolge, aber auch Niederlagen“, erinnert sich der 40-Jährige, der das Allgäu vermisste und sich Gedanken über seine berufliche Zukunft machte. 2016 begann Simon Sengele ein Fernstudium als Athletik-Trainer im Spitzensport mit Schwerpunkt Leistungssport, dazu kam noch eine Ausbildung zum Ernährungs-Coach. Er hatte bereits eine Schweizer Ausbildung als Diplom-Trainer in Bern im Jahr 2007 absolviert.

„Für mich war 2018 die Luft raus beim DSV-Team, eine berufliche Veränderung war angesagt, auf jeden Fall als Athletik-Trainer in einem Mannschaftssport, entweder Fußball oder Eishockey“, erzählt Simon im Interview. Zum Eishockeysport hatte er neben Skifahren von Kindheit an eine intensive Beziehung. Nicht nur, weil er im Winter mit Freunden oft auf dem heimischen Ochsenweiher spielte, sondern weil der Vater Christoph seine beiden Söhne Uwe und Simon immer zu Eishockey-Spielen nach Memmingen, Ravensburg, Kempten und Kaufbeuren mitgenommen hatte.

Sengele bekam ein Angebot von den Mannheimer Adlern, die in der 1. Bundesliga spielten, doch er wollte nicht so weit weg vom Allgäu. So kamen die Bulldogs Dornbirn auf ihn zu und man wurde sich bald einig. Der Leutkircher Athletik-Trainer kann nun in seiner Heimatstadt wohnen bleiben und fährt täglich nach Dornbirn zu seinen „Cracks“. Die Bulldogs spielen seit rund 10 Jahren in der 1. Liga Österreich und sind in einem Spielverbund von sechs Ländern: Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien und Italien. Das bedeutet mindestens 50 Spiele pro Saison plus die Play-Offs ab Ende März, zwei Spiele pro Woche, fünf halbe Tage Training – also eine 7-Tage-Woche für den Trainer. Der Tagesablauf von Simon Sengele mit seiner Mannschaft sieht folgendermaßen aus: Off- Ice Athletiktraining vor und nach dem eigentlichen Eis-Training, warm-up unter Anleitung des Trainers, gemeinsames Mittagessen im Stadion. „Auf Ernährung wird sehr geachtet, die Spieler verbrennen an einem Trainingstag bis zu 1500 Kalorien. Das Sommertraining ist im Kraftraum und im Freien in der Region von Dornbirn.

Urlaub gibt es erst nach der Saison, zwischen Ende April und Juli“, erzählt Simon, der sich dann meistens „in die Wüste absetzt“, in den Oman oder mal nach Dubai, eben das Gegenteil von Eis und Kälte. Im Urlaub muss es warm sein, aber er geht auch gerne ins Freibad am Stadtweiher und schwimmt im Pool. Wenn er kein Training hat am Nachmittag, ist er in Leutkirch, bei Familie und Freunden. Aktuell macht er einen Bachelor-Studiengang an der Hochschuhle in Ismaning im Bereich Sportwissenschaft mit Schwerpunkt Sportpsychologie.

Kuchen für das Eishockey-Team

Oft backt Mutter Erika Sengele, immer sportlich aktiv im TSG-Turnen, ein paar Kuchen für ihren Sohn, wenn er mit seinem gut 25-köpfigen Bulldogs-Team unterwegs ist, wie kürzlich ins Stadion nach Llubljana in Slowenien. „Ich war schon in 38 Ländern der Erde, von Chile bis in die USA, von Russland bis Australien und Neuseeland. Aber wenn ich Leutkirch in eine Bäckerei oder Metzgerei komme, dann kennt man mich mit Namen, und das ist einfach toll“, sagt Simon Sengele, der seine Leutkircher Wurzeln kennt und schätzt. Trainer einer Eishockeymannschaft in Dornbirn zu sein, hätte er sich vor Jahren nicht vorstellen können, doch es macht ihn glücklich. Fußball-Trainer wäre auch in Frage gekommen, schließlich hat er beim FC Leutkirch von der Jugend an bis zur aktiven Mannschaft mitgespielt. Aber: Schnee, Eis, Kälte – das ist halt schon seine Welt.

Fotos: Verein, Privat: Beim Kinderfest Volkslauf mit Freunden und seinem Vater Christoph (re.), und v. C. Notz

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