„Verstehen Sie Brass?” zeigt Musikalisches und “Comedisches” aus dem WILD WILD WÄST

Gebrazhofen – Und wieder fühlte es sich so an, als hätte es Corona nie gegeben – fast volles Haus in der großen Turn- und Festhalle Gebrazhofen beim unterhaltsamen Abend mit den Blechblas-Künstlern von „Verstehen Sie Brass?“ – eine Frage, die  viele VOR einem solchen Event schlichtweg verneinen, hinterher aber alles verstanden haben oder leicht enttäuscht meinen: „Des isch jo a Bloosmusik!” Genau – denn die Töne kommen ja bei Brass-Musik ausschließlich aus Blechblasinstrumenten und da ist auch mal ne Polka oder ein Walzer dabei, ein Choral oder flotte Tanzmusik. Mal wird ein lustiges Lied gesungen, der Thriller von Michael Jackson getanzt oder ein ziemliches Theater, eine Comede gemacht. Brass ist ein Musikstil, der einst aus England aufs europäische Festland schwappte. Inzwischen hat sich Brass-Musik in Deutschland etabliert, und auch Bands aus Allgäu-Oberschwaben sind bei den Besten, wenn es zu großen Wettbewerben geht. (Nächstes Konzert ist das der BRASS Band A 7, im Kurhaus Bad Wurzach am Sonntag, 22. Mai, um 19 Uhr, Leitung Thomas Wolf)

Zurück nach Gebrazhofen: “Verstehen Sie Brass?” (VSB)  bot Musik & Comedy in einem kurzweiligem Programm mit spontanen Gags, Grimassen und Akrobatik, wenigen Worten, öfters sogar als Gesang und ganz viel Musik vieler Genres. Dabei sind die sieben Brass-Künstler aus den Orten Aichstetten, Diepoldshofen, Engelboldshofen, Leutkirch, Unterzeil und Willerazhofen Meister an ihren Blech-Instrumenten, wie Trompete, Posaune, Tenor-, Wald- und Flügelhorn und Tuba, aber es kommen auch Gitarre oder Percussion mal zum Einsatz. Jeder ist ein Einzelkünstler, ein Solist und hatte bei „Wild wild Wäst“ auch einen gefährlich-bekannten Namen.

Von den Geisterreitern zu Charles Bronson
Typische Westernmusik wie Ghostrieder, aber auch passende Linedance- Rhythmen rissen das Publikum mit, es gab Gänsehaut-Erregende Klassiker wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ – mit dem Mundharmonika-Jungen, El Mariadschi alias Charles Bronson, der mit Mexikanerdecke und dem großen Hut (Christian Wolf). Sein Pendant im Filmklassiker war Henry Fonda, der hünenhafte Scharfschütze im langen schwarzen Mantel, von Dietmar Schuhmacher sehr gekonnt dargestellt. Er verzog kaum eine gute Miene zum bösen Spiel, nicht mal dann, als sich alle rund 10 Mal nach Zwischenapplaus verneigten. Ihm war alles „too much“, seine einzige Liebe gehörte seinem Waldhorn, das er stets umarmt hielt und niemals aus der Hand gab.

Unverkennbare Specials in Zeit-Luupe
Die Blechinstrumente, manche wirkten schon so alt wie der Grand Canyon, waren ganz schnell auch mal Schlägerei- oder Schießerei-Werkzeuge. Eines der unverkennbaren Specials der VSB-Crew ist wortwörtlich das „Spiel mit oder in der Zeit-Luuupe“. Erstens kommen die Zuschauer besser mit bei den Gags, zweitens tun die schlagkräftigen Teile (eines Instruments) nicht so weh, weil man sie nicht so kurzfristig abbremsen muss, und drittens sieht das Ganze sehr „kuuuhl“ aus. Fast- oder ganz Umfallende werden netterweise von anderen Bandmitgliedern abgefangen oder gestützt, wobei mancher auch im Liegen weiterspielt, im Kopfstand in der Luft oder gar komplett liegen bleibt, bis er mit zwei Trompeten wiederbelebt wird. Mund zu Mund-Beatmung schätzen Westernhelden überhaupt nicht, eher ein ehrenhaftes Duell in der Mittagshitze der Prärie…..

Indianer-Häuptling Mannetou, Manfred Schuhmachers Parodie auf die gute, stets gerechte Rothaut Winnetou, spielte mit dem vermeintlichen Greenhorn Old Schmetterhand (Manuel Haag), der seine deutsche Herkunft im Wilden Westen nicht verbergen konnte, aber eine stattlich-besonnene Figur ablieferte, zusammen virtuos Trompete. Sie schmetterten die Töne in Salven nur so dahin, daher vermutlich  Old Schmetterhand?  Die dritte Trompete spielte der kleine Mexikaner mit dem großen Hut und ohne Gesicht, der natürlich auch Gitarre kann, wie im wirklichen Western-Filmleben, von VSB eine hervorragende Besetzung.

Gnade für Gigolo-Pokerface – Posauenen-Zug trifft nicht

Es gab keine Gnade für die Lachmuskeln, denn es waren einfach zu viele der namhaften Westerngrößen da: Mannetou, sogar mit Kanu (reimt sich), Michael (Mike) Langegger alias Billy the Kid, der ganz schön erwachsen wirkte mit seiner großen Tuba, deren Gewicht mindestens 10 Flaschen Whisky entspricht. Auch ein Western-Gigolo mit Pokerface und immer als Womanicer stets bereit (Florian Weder, mal ohne seine überragenden Italienisch-Kenntnisse, aber…) mit Tenorhorn, Bariton, der beim Duell fast gnadenlos erschossen worden wäre, kam gut an. Wär schad um ihn gewesen, schließlich gibt es sicher wieder ein Best of der VSB-Geisterreiter mit Geisterpferden.

Nicht zuletzt ist Thomas Wolf aus Unterzeil zu nennen, obwohl er vor lauter Arrangements sich bei der Westernaufführung keinen Namen gegeben hat. Aber einer muss ja der BOSS sein und wie sagte einst John Wayne, als einer ihn fragte: Wie heißt du, Fremder? Trocken: Namen sind was für Grabsteine….

Drei Dirigenten sind voll Herzblut dabei
Thomas Wolf ist, wie noch zwei seiner Cowboy-Kollegen, nicht nur von VSB der musikalische Leiter (ohne Pferd, aber authentischer Frisur), sondern auch Dirigent von mehreren Kapellen, zwischen dem American River und dem Iller-Ursprung bei Fischen im Allgäu. Ebenso hält Mannetou die Willerazhofer Kapelle seit „vielen Monden in Schach“ und Gigolo Flo hat sich die MK Reichenhofen vor „etwas weniger Monden unter den Revolver gerissen.“

„Wer gerne lacht, schneidige Musik hört und dabei die Zeit vergessen möchte, der ist bei VERSTEHEN SIE BRASS? genau richtig!“ – so hieß es in der Ankündigung – von herzzerreißender Filmmusik, launigen Polkas, fetzigem Rock & Pop bis zu Western-Show-Tanz ist alles dabei”, versprachen die exzellenten Musiker mit Hang zur Comedy von „Verstehen Sie Brass?“ – Auf jeden Fall – und es war ein kurzweiliger Sonntagabend, an dem manche noch länger zusammensaßen und Eiweißreiche Burger oder scharfen Wurstsalat mit Cayenne-Pfeffer genossen.

Die MK Gebrazhofen freute sich mit VSB über die zahlreichen Gäste, die sehr umsorgt wurden, musikalisch, wie auch musikalisch. Die Tisch-Dekos, liebevoll von der MK Gebrazhofen gefertigt,  zeigten sich wie der Frühling in der Prärie, NICHT nach Pulverrauch und Lagerfeuer duftend, sondern nach Flieder und Jasmin.

Es gab so viel Applaus und Zugabe-Wünsche, dass die Wildwestgruppe, und sogar der Coole Schwarze mit dem Waldhorn Erbarmen zeigten, und alle nochmals kräftig in ihre  …hörner blasen durften. Mit dem Evergreen „Dankeschön – für die Blumen“ im Galopptempo und dem Schlosser-Marsch, komponiert von Michi, bzw. Mike, ein exzellenter Tubist, war dann endgültig Zapfenstreich im „Fort Tuscon-Gebrshofn“.

„Wir haben diesen Abend mit unseren Musiker-Kollegen und den zahlreichen Gästen wirklich sehr genossen“, war sich das Gebrazhofer Vorstandsteam mit Susanne Klamer und Philipp Kraft einig. Bald wollen sie mit ihrer MK ein Open-Air-Biergarten Konzert veranstalten.

Übrigens: Das „Bekannt wie ein bunter Hund-Ensemble Verstehen Sie Brass?“ konnte im Herbst 2021 sein Zehnjähriges mit einer „Best of-Veranstaltung“ im Tautenhofer Kultur- und GemeindeTREFF feiern. Frisch gestylt auf Western-Manier durfte man die sieben auf allen Ebenen sehr harmonisch zusammenspielenden Musiker wieder erleben und man darf sich auf weitere Programme mit Brass, Witz und schrägen Tönen freuen, die übrigens alle auswendig gespielt werden, und jeder mit seinem Part fast ein Blasmusik-Register „ersetzt“.

Scroll to Top