Fabian Stökler und Ronny Trautmann in Peru: Zwei junge Bergsteiger erleben großartige Bergwelt in den Anden

Fabian Stökler (links im Bild) aus Altmannshofen und sein Bergkamerad Ronny Trautmann aus Isny waren im Mai 2016 gemeinsam in Peru, um in den Cordillieren der Anden einige Hoch- und Eistouren von der Stadt Huaraz aus zu unternehmen. Sie hatten meist gutes Wetter und konnten sogar den Alpamayo, einer der schönsten Bergpyramiden der Welt, ganz nah erleben. Es gelang sogar eine Tagestour auf 5.686 Meter. Die beiden haben sich in der Kletterhalle in Seltmanns vor einigen Jahren kennengelernt und ihre gemeinsame Leidenschaft für das Bergsteigen, für Kletter- und Skitouren entdeckt. Fabian Stökler ist im Leutkircher Alpenverein Tourenleiter und war 2015 bereits mit Himalaya-Bergsteiger Frank Felder aus Reichenhofen in den Anden von Peru unterwegs. Fabian hatte 2015 in Huaraz eine junge Frau namens Adely kennengelernt und auch das war ein Grund, 2016 wieder nach Peru zurückzukehren.

 

Seine erste Tour mit Skiern und einem Freund von Adely führte auf den Husberg von Huaraz, dem Vallunaraja mit 5.686 Metern Höhe. Beim Rückweg mit Skiern auf dem Rücken knickte Fabian um und verletzte sich am Knöchel. Fünf Wochen lang musste er den Fuß behandeln lassen, doch genau zur Ankunft von Ronny im Mai war der Fuß wieder o.k. Und die beiden konnten ihre Touren starten. Ronny Trautmann ist in Berlin geboren und hat seine Liebe zu den Bergen entdeckt, seit er im Allgäu wohnt. 80 Viertausender von 82 insgesamt hat er in den Alpen schon bestiegen, davon fünf Westalpengipfel zusammen mit Fabian Stökler, wie den Piz Bernina, das Lauteraarhorn und den Grand Combin. Auch im Winter waren sie viel auf Ski- und Hochtouren unterwegs gewesen.

Ihr Basislager in Peru war die Stadt Huaraz auf 3100 Meter Höhe, das „peruanische Zermatt“, immer mit herrlichem Blick auf Fünf- und Sechstausender. „Wir konnten bei Adely wohnen und so lernten wir Peru, die Menschen und Bräuche ganz anders kennen, als normale Touristen, wir hatten Familienanschluss“, schmunzelt Fabian. Zuerst standen zwei Akklimatisationstouren auf dem Programm, zu Bergseen, sogenannten Lagunen mit Gletscherwasser. „Wir hatten fast immer ein traumhaftes Wetter. Das Wetterphänomen el Nino sorgte zum einen für viel Sonne und große Wärme in der Höhe, aber auch für starken Schneefall anderorts, sodass es entweder wegen zuviel Neuschnee oder zu großen Gletscherspalten und Blankeis schwierige Verhältnisse waren“, berichtet Fabian. „Deshalb haben wir die Tour zu einem Sechstausender nicht gemacht, und auch Abstand vom höchsten Berg von Peru genommen, den Huascaran.

Der erste gemeinsame Fünftausender führte die zwei Allgäuer ins Ishinka-Tal, wo das Zelt für zwei Nächte als Lager auf 4.300 m diente. Eine rassige und gefährliche Zwölf-Stunden-Tour brachte sie auf den Gipfel des Ishinka mit 5.530 Metern. „Der Zustieg auf den Gletscher war auch hier sehr schwierig und der Abstieg auf dem Normalweg fast  lebensgefährlich. Schwarzes Blankeis, jeder Schritt ein Wagnis, jeder für sich allein, ohne Seilsicherung, denn es würde beide mitreissen“, erzählt Ronny, noch immer tief beeindruckt vom Erlebten. Normalerweise sei der Berg als leicht einzustufen, die Ausaperung erschwerte die Tour ungemein. Aber so allein unterwegs zu sein, auf sich und sein Können gestellt, das Zelt in der wilden Bergwelt, über sich einen unglaublich schönen Sternenhimmel nachts, das alles bliebe unvergesslich.  Ronny, dem begeisterten Fotografen, gelangen einmalige Aufnahmen von Eisbergen mit Sternenhimmel in Langzeitbelichtung (Foto mit gelbem Zelt). Der zweite Gipfel war am nächsten Tag der Urus mit 5.485 m, etwas leichter mit Zustieg über einen Moränenrücken und einen kleinen Gletscher. Wieder wurden sie mit herrlicher Rundumsicht belohnt.

Die Peru-Hütte liegt auf 4.680 Meter – fast Mont Blanc Höhe

„Diese zwei Touren waren ein guter Start und motivierten uns für weitere Hochtouren, wie den Pisco, den Fabian bereits von 2015 her kannte, zumindest bis zur Hütte“, so Ronny weiter. Nach ein paar Tagen Pause, starteten die beiden zur Peru-Hütte auf 4.680 Meter, was etwa Mont-Blanc-Höhe entspricht. Um zwei Uhr nachts ging es los, viele Wolken, keine Sicht. Der Regen hörte auf, Sterne wurden sichtbar. Die beiden stiegen weiter, der Pisco lockte mit 5.752 Metern Höhe. Doch die Sicht wurde wieder schlecht, viel Nebel und keine Spur. Eis und Fels wechselten und nach vielen Stunden erreichten sie den Gipfel, wo die Sonne schien. „Wir waren überglücklich, es geschafft und so eine tolle Sicht zu haben. Uns ging es gut, wir hatten keine Anzeichen von Höhenkrankheit, kein Kopfweh, alles war prima.

Der Berg der Berge in Peru und wohl für die Anden überhaupt ist der Alpamayo, der als schönster Berg der Welt bezeichnet wird, dank seiner gleichschenkligen Pyramidenform, ähnlich dem Matterhorn, nur ganz in weiß. Natürlich stand er auf dem Plan von Fabian und Ronny, vorausgesetzt, sie fühlen sich gut und die Verhältnisse passen. Das konnte nur vor Ort an diesem knapp-Sechstausender mit 5.947 m entschieden werden. 75 Zentimeter lang war der Einkaufszettel für sechs Tage Proviant und Ausrüstung für drei Personen und einem Esel. „Über eine Agentur bekamen wir Amador mit seinem Esel als Träger und Lastenträger zugewiesen, denn es geht etwa 50 Kilometer ein Tal rein, mit 35 bis 40 Kilo Gepäck pro Person. Das schafft man nicht allein.

Grandios und fast allein: Mit dem Zelt auf dem Hochlager des Alpamayo

Das erste Zeltlager war auf 3900 Meter Höhe, am zweiten Tag waren wir schon auf 4.900 m, auf dem Moränencamp am Gletscherrand. Erst war es trübe und nass, doch dann riss es auf und am dritten Tag, auf dem Weg zum Hochlager hatten wir herrliches Wetter“, berichten die zwei Alpinisten, die diesen Weg mit je 25 Kilo Gepäck ohne Amador angingen. Es war eine schier endlose Plagerei, mit schwerem Gepäck durch wildes Gelände und ganz weichen Schnee, zuletzt noch überhängend. Die Aussicht war jedoch überwältigend. (Bild mit See im Tal)

„Wir haben sieben Stunden gebraucht bis zum Hochlager auf 5.400 Meter, es waren widrige Verhältnisse. Wir trafen auf zwei andere Gruppen, eigentlich sehr wenig für diese Jahreszeit. Ein Schweizer Ehepaar mit Trägern und Führer sowie eine russische Gruppe. Es lag viel Neuschnee auf der Schulter zum Wandfuß, wo die Zelte standen. Von hier sieht man den Alpamayo aus nächster Nähe, sieht die bis zu 80 Grad steilen Rinnen bis zum Gipfel, das bizarre Bürs-Eis, das senkrecht hochragt, unüberwindbare Hindernisse. An den Nachbarbergen gingen Schneebretter ab, alles sah sehr gefährlich aus, um von hier weiterzugehen“, betonen Ronny und Fabian. Für sie war es trotzdem großartig, hier oben zu sein, bis hier her geschafft zu haben, direkt am Alpamayo und so tolles Wetter und klare Sicht zu haben. Bis zu 20 Grad Plus hatten sie tagsüber auf 5.400 Meter, nachts kühlte es auf minus zehn Grad ab. (Foto)

Sonnenaufgang: Die vier russischen Bergsteiger wollten bis zum Wandfuß, dem Alpamayo ganz nahe sein. Die Allgäuer stiegen mit den Schweizern ab und hatten noch zwei schöne gemeinsame Tage. Auch mit Amador war eine tolle Kameradschaft entstanden. Nach einer Pause in Huaraz bei allen Annehmlichkeiten der Zivilisation wurde noch dem Hobby Klettern Raum und Zeit gegeben und zwar im höchsten Sportklettergebiet der Welt „Hatun Machay“, in der Cordillera Negra. Statt der bequemen Stützpunkthütte, nahmen die Allgäuer lieber ihr Zelt mit, kochten selbst und erlebten zwei schöne Tage beim Klettern.

Noch ein Höhepunkt, eine Tour sollte es sein vor dem Rückflug: Der Nordgipfel des Hausbergs von Huaraz, den Vallunaraju, und zwar als Tagestour auf 5.686 Meter Höhe! Eigentlich kaum vorstellbar. Um Mitternacht holte sie das Taxi in Huaraz ab, auf schlimmer Schotterpiste ging es durch ein ausgetrocknetes Flussbett, zum Teil mit tatkräftiger Hilfe der Mitfahrer. Um halb drei – Ende der Piste – 4.450 Meter. In der Dunkelheit gingen Fabian und Ronny bergauf, erst Fels, dann Gletscher – Fabian kannte den Weg von vor wenigen Wochen, als er mit Skiern und einem Führer hier war.

Nach etwa sechs Stunden war es geschafft: Ronny und Fabian standen allein auf dem Nordgipfel mit einer Rundumsicht vom Feinsten (Bild beide am Gipfel). Ein Geschenk des Himmels, ein perfekter Tag, vergessen die Piste, die Anstrengungen, das steile unangenehme Eis. An einem Tag auf 5.686 Meter und wieder zurück. So endeten die Wochen in den Cordilleren mit dieser gelungenen Tour und dem Wunsch, wieder einmal zurückzukommen. Land, Berge und Leute waren ein einmaliges Erlebnis. Derzeit ist Adely auf Gegenbesuch bei Fabian und lernt Europa, Deutschland und das Allgäu erstmals kennen. Sie ist begeistert von der Adelegg, den Alpen und wie man im Allgäu lebt.

Text: Carmen Notz, Bilder: Ronny und Fabian

Übrigens: Für den Herbst planen Fabian und Ronny Bildervorträge über ihre Erlebnisse und Touren in Peru und zwar in Isny-Neutrauchburg und in Leutkirch.

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