Trauer um Ömer Dumlu – Leutkirch sah er als seine Heimat

Leutkirch – Trauer in seiner Familie, ein leerer Platz bei Stammtischen (vor Corona), es fehlt ein Gruß und ein Gesicht, das vielen Leutkirchern alltäglich war – Ömer Dumlu ist verstorben und wurde im April zur Beerdigung in seine türkische Heimatstadt Mersin überführt. Seine Frau, vier Kinder, zehn Enkeln und ein Urenkel leben jedoch in Leutkirch oder im Allgäu und sehen dies, wie Ömer Dumlu als ihre Heimat an. Geboren und aufgewachsen ist Ömer in Mersin an der Südküste der Türkei im Jahr 1939. Der ältere Bruder Ahmed war bereits in Deutschland, bzw. in Leutkirch und hatte sich eine Existenz aufgebaut mit Restaurant und Taxidienst. 1963 reiste Ömer mit Frau Kadriye mit dem Zug von Mersin nach Leutkirch. Er fand Arbeit bei ERBA Textil in Wangen. Seine Freizeit hatte schon immer dem Boxen gehört.

„Das war seine ganz große Leidenschaft, denn er hatte Talent und das Boxen hat ihn voll aufgebaut. Seine Eltern sind arm gewesen. Mein Vater hat viel trainiert und ist mit 20 Jahren schon Champion in der Türkei geworden“, berichtet der älteste Sohn Selim Dumlu, der in Leutkirch wohnt und als selbständiger Unternehmer im Bereich Video-Marketing arbeitet.

Boxtraining und Wettkämpfe – das wollte Ömer auch in seiner neuen Heimat machen. Zuerst war er in Wangen im Boxverein, 1965 zog er nach Leutkirch um, weil er bei Thermopal eine Stelle bekam. Die TSG-Leutkirch hat Ömer Dumlu die Gründung der Box-Abteilung zu verdanken und mit Frank Rudert und Christian Sälzle zwei erfolgreiche Boxer aus dieser Zeit.

Im Café Alwaro trafen sich Einheimische und Gastarbeiter

Sehr gute und langjährige Freunde von Ömer Dumlu haben ihn an seinem ersten Tag in Leutkirch kennengelernt, damals im Eiscafe Alvaro (neben KSK, heute Versicherung), und ihn bis zu seiner Krankheit Anfang 2021 begleitet. „Er hat immer das Gute im Menschen gesehen, gerne geholfen, wenn es ihm möglich war. Gerne saßen wir im San Marco oder Venezia zusammen, haben Kaffee getrunken und geplaudert“, erinnern sich Klaus Tertel und Erich Gaile aus Leutkirch. auch Willi Schultz, Josef Peidl und Norbert Federau gehörten zu seinen engsten deutschen Freunden.

Ömer Dumlu als Ölkönig der Nibelgauer

Zwei Jahre hatte Ömer Dumlu selber dann ein Cafe in Leutkirch in der Gerbergasse (heute Sonnentreff), 1990 eröffnete er die Pilsbar Dumlu in der Vorstadtstraße. „Meine Mutter war damals die erste Adresse in Leutkirch für Kebab. Sie hat es in der Pilsbar und auch „to go“ verkauft“, berichtet Selim und zeigt Bilder vom Kinderfest in Leutkirch und den Marktstand seines Vaters mit Tee und Pistazien aus der Türkei. Fotos von „Dumlu als Ölkönig“ hält er auch in Ehren, denn rund 30 Jahre hat Ömer bei der Narrenzunft Nibelgau mitgemacht, bzw. ist als Ölkönig aus dem Orient beim Narrensprung mitgefahren. „Die Leutkircher Fasnet hat ihn begeistert, er war auch bei den Bällen in der Festhalle dabei“, schwärme die Söhne Selim, Ali, Bilal und Schwester Ferdane, die in Leutkirch / Allgäu wohnen.

Als einer der ersten türkischen Gastarbeiter in Leutkirch hat sich Ömer Dumlu immer als Leutkircher gefühlt und seinen vier Kindern vermittelt: Das ist unsere Heimat. Höhepunkt seines Leutkircher Lebens war 2014 eine Foto-Ausstellung im Venezia unter dem Titel: „50 Jahre in Leutkirch“, zu der auch OB Hans-Jörg Henle eingeladen war und einen türkischen Krug als Geschenk bekam. Dem Wirtschaftsbund und der TSG ist er immer verbunden geblieben und hat im Januar 2000 die TSG-Ehrennadel in Gold erhalten. Im April verstarb er im Krankenhaus in München.

Archivbilder: Privat von Ausstellung Venezia, Fasnet-Umzug, als junger Boxer und das früher Cafe Alwaro – Stadtarchiv!

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