Gefühlvolle Lieder, Oldies und Geigenklang bei der ersten Offenen Bühne 2022 – Mit allen Sinnen genießen

Leutkirch – „Leutkirch lebt”, sagte der Gründer und Organisator Egbert Dreher zum Auftakt der Offenen Bühne in der Walpurgisnacht, zur zahlreich erschienenen Gästeschar, und so sei auch die Veranstaltung Offene Bühne Session nach 18 Jahren lebendig und munter, wie eh und je. Und tatsächlich bietet sich hier ein breites Spektrum an Musikern, Esembles, Sänger und Solisten, die musikalische Unterhaltung auf hohem Niveau präsentieren. Der Besucher kann sich hier sogar noch richtig überraschen lassen, manchmal finden sich unerwartet und kurzfristig noch Bühnen-Künstler ein.

Ein Feeling für die Bühne und „mit Publikum“

„Immerhin waren drei von fünf Acts dieses Mal professionelle Musiker und Ensembles, die ebenso gerne zu uns nach Leutkirch reisen, wie erfahrene Amateure oder Künstler, die nicht oft auf Bühnen spielen und mal „ein Feeling“ dafür bekommen möchten“, erzählt Egbert Dreher, selber Multi-Talent als Gitarrist und Sänger, der nicht nur bekannten Stücken aus dem Balladen- oder volkstümlichen Liedgut mal einen frisch-fröhlich-frechen Text verleiht, sondern auch mal Songs leicht umarbeitet oder gar neu arrangiert.

Ganz sicher ist den Künstlern Wertschätzung und tollen Applaus

„Jeder ist bei unserer Offenen Bühne willkommen, darum heißt die Veranstaltung ja so. Die Bühne ist offen für alle, man sollte sich aber anmelden. Früher hatten wir teils auch spontane Musiker aus dem Publikum, die einfach ihr Instrument mitbrachten, und wenn die Zeit es hergab, zum Schluss noch ihr Können zeigten. Jeder Künstler oder jede Band (je nach Aufbau) hat eine gewisse Zeit, um das Publikum zu unterhalten. Sicher ist eines: Jede/r bekommt viel Beifall, das Publikum schätzt es, dass sie so ganz unbeschwert und locker unterhalten werden (auch mal mit schrägen Tönen oder Texten…), wobei die Künstler nur wenig bekommen, nämlich nur den entsprechenden Anteil aus den Hutspenden, als kleinen Obulus.

Die Band Feelin‘ Alright erfreut mit Pop-Klassikern und Evergreens vergangener Jahrzehnte

„Das Wort Amateur kommt vom lateinischen Wort „amare“, was übersetzt lieben bedeutet. Und gerade diese Liebe und Leidenschaft zur Musik, und der Wunsch, damit andere Menschen zu erfreuen, ist jedes Mal bei dieser coolen Session deutlich zu spüren – und zwar auf beiden Seiten, bei den Künstlern, wie auch bei den Gästen, meinen die Bandmitglieder von Feelin‘ alright, die sich, wie ihr Name sagt, auf gut Schwäbisch: „Sauwohl fühlen“, wenn sie mit ihren Oldies, Evergreens und mit so manchem Top-Hit der letzten drei Jahrzehnte loslegen. Sie haben ihr sicheres Stammpublikum, die immer den gleichen Tisch reservieren und selten fehlen.

Teils ist im Bocksaal mit Tischen vor der Bühne/Tanzfläche bestuhlt, oder in Reihen. Manche singen, klatschen oder tanzen mit – Platz genug und lockere Stimmung ist garantiert, mit Ambiente eines alt-ehrwürdigen hohen Dachstuhls, nach neuesten Brandschutzbestimmungen ausgestattet, und kleiner Bewirtung.

Egbert Dreher ist Organisator – bei ihm können sich Sänger und Musiker für den nächsten Termin melden

Wie immer begann die Hausband diesmal im Trio, ohne den verhinderten Frontmann Otmar Bühler, mit David Crosby’s “Long Time Gone”. Dazu sagte Dreher, viel Zeit sei zwar vergangen, aber auch viel gute Zeit liege noch vor einem. Klaus Zellmer sang “Via con me”, das heißt, “geh mit mir”. Wer würde nicht gerne der Aufforderung folgen und in das beliebte Urlaubsland Italien reisen? Zum Abschluss zogen Geisterreiter, “Ghostriders in the sky” als Reminiszenz an die Walpurgisnacht über den Himmel.
Familie Schnurrenberger begeistert, bevor die Überraschung des Abends die Offene Bühne betrat

Imagine von John Lenon – Aktueller denn je

Die Musiklehrerin und Chorleiterin Sabine Guthardt zeigte ihr Können mit eigenen persönlichen Liedern in deutscher und englischer Sprache. Hier waren jazzige Harmonien und eine Menge Soul (Seele) zu spüren. Die Familie Schnurrenberger spielte mit zwei Gitarren und überragend harmonischem Gesang Lieder von Jim Groce und das berühmte berührende, immer aktuelle „Imagine“ von dem Beatles-Quartett John Lennon. „Gerne würde man sich vorstellen, es gäbe Frieden auf Erden“, meinte Dreher melancholisch, und jeder dachte dabei an den aktuell herrschenden Kriegszustand in einem europäischen Land.

Es erklingt der Song „Walpurgisnacht“ – Schelmisch und Variabel
Edeltraud leitete den „You’ve Got A Friend” mit einer Liebeserklärung an ihren Gatten Dieter ein, der nicht nur ihr Ehemann, sondern auch ihr bester Freund sei. Es folgte der Überraschungsgast des Abends: Stefanie Pagnia, Geigenlehrerin und Geigerin aus Memmingen. Sie spielte selbstkomponierte Stücke, die aus den Eindrücken des gegenwärtigen Krieges in der Ukraine entstanden waren, und dann mit dem Offenen-Bühne-Bekannten John Gillard ihr Stück „Walpurgisnacht”. In der Mimik schelmisch, in Rhythmus und Lautstärke variabel, einfach nur noch Genuss.

Trio setzt den Schluss-Akord – viel Applaus

Zum Abschluss gab es ein weiteres akustisches Highlight mit dem Gitarrenlehrer John Gillard, Robert Kopf und Daniela. Sie brillierten mit Gillards Liedern, in den letzten Jahrzehnten entstanden, meist als Kommentare zu damals aktuellen Themen. Sicher ein Höhepunkt sein Lied „Carlos und Fernando”. Es handelt von zwei schwulen, lebenslang verbundenen Flamingos: Jedes Jahr klauen sie ein Ei, brüten es aus und werden so zu einer glücklichen Familie. Für den perfekten Sound sorgte wie immer Klaus Zellmer, der auch die Anlage zur Verfügung gestellt hat.

Viele Besucher gingen erst mit dem letzten Ton, gaben nochmals Beifall für einige Zugaben und machten sich beglückt und beseelt auf dem Heimweg, vor allem derzeit, nach sehr langen Corona-Pausen der letzten zwei Jahre. (edre/cno)

Infos:
Die nächste Offene Bühne Session, die eigentlich vier Mal im Jahr geplant ist, findet am Freitag, 3. Juni, ab 19.30 Uhr statt. Gerne kann man Tische reservieren. Ansonsten ist alles offen – das Programm, der Ablauf, die Künstler – sowie manche Überraschung zum Programm. Die Hausband beginnt um 19.30 Uhr. Es empfiehlt sich rechtzeitiges Erscheinen, aber man kann auch später dazustoßen.

Im Foyer des Bocksaals darf man sich mit Getränken ein kleines Warm-up gönnen, Bekannte treffen und die Überraschungs-Bowle genießen, die von Familie Manthei und ihrem Larifari-Team, DER Leutkircher Kleinkunstverein, gemixt wird. Sie sorgen ehrenamtlich für das leibliche Wohl der Gäste.

Infos, Reservierungen unter www.larifari-ev.de Musiker, Sänger, Solisten und Bands melden sich einfach bei Egbert Dreher in Leutkirch, mobil: 0175/8556335 oder per E-Mail an: e.dreher@gmx.de

Sicher ist eines: Es gibt jede Menge Beifall und Wertschätzung, und auch die virtuos spielende Stefanie Pagnia mit ihrer Geige hat sich nach dem großen Zuspruch Ende April wieder angemeldet, und sicher gibt es wieder Wunderschönes von ihr zu hören.

Text: Egbert Dreher und C. Notz, Fotos vom Abend und Archivbilder aus 2018 und 2019 mit feel. alright und div. Acts sind von  Carmen Notz

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