Gemeinschaftsschule setzt sich für Nichtschwimmer ein

Leutkirch (gs) – Die Leutkircher Gemeinschaftsschule setzt sich für Kinder und Jugendliche ein, die nicht schwimmen können. So haben sich in den vergangenen Tagen über 30 Teilnehmer unterschiedlichster Herkunft am Freibad im Stadtweiher getroffen, um täglich eine Stunde unter professioneller Leitung die Kunst des Schwimmens zu erlernen. Dass immer mehr Lehrschwimmbecken oder Hallenbäder aus finanziellen Mitteln der Kommunen geschlossen werden, ist mittlerweile mehr als bekannt. Eine Tatsache, die zur Folge hat, dass viele Kinder in ganz Deutschland nicht mehr schwimmen können. Darauf hat die Gemeinschaftsschule reagiert und unter der Leitung von den beiden Lehrern Ulrike Biemann und Markus Vogel einen Schwimmkurs organisiert, der von der Schwimmlehrerin Birgit Hummel aus Baienfurt durgeführt wurde. Unterstützt wurden die beiden Pädagogen von der Organisation „Generation2gether“, an der sich das Leutkircher Jugendhaus, die Elobaustiftung, Johanniter sowie ein Team der Gemeinschaftsschule beteiligen. „Das Projekt soll dafür sorgen institutionsübergreifend Kontakte herzustellen, um Menschen in Leutkirch zusammenzuführen und somit Barrieren kultureller Art zu überwinden, mit dem Ziel der Integration“, erklärte Biemann.

Teilgenommen am Schwimmkurs haben über 30 Schüler aus Deutschland sowie aus den verschiedensten Ländern, die die Bildungseinrichtung im Seelhausweg 2 besuchen. Dabei spielte es keine Rolle, aus welchem Land die Schüler stammen und ob diese Badehose, Bikini oder Burkini trugen. Wichtig ist einfach das Ziel das „Seepferdchen-Abzeichen“ zu erreichen, gewesen. Unter den Teilnehmern, die bisher keine Gelegenheit hatten, einen Schwimmkurs zu machen, haben sich auch etliche Mädchen und Buben aus Syrien befunden. Während die Jungs aus dem Kriegsgebiet keinerlei Scheu zeigten, kamen bei den Mädchen hinsichtlich der religiösen Verhüllungsvorschriften, Probleme auf. Aus diesem Grund musste für die künftigen Schwimmerinnen gewährleistet sein, dass keine männlichen Personen während der Übungsstunde anwesend sind. Deshalb erhielten die Jungs der Gruppe bereits frühzeitig ihren Unterricht.

Anschließend mussten sich diese ganz unter den Vorschriften von „Allah“ entfernen, um Konfliktmomente zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht im Becken zu verhindern. Peinlich genau haben die muslemischen Mädchen während ihres Schwimmunterrichts aufgepasst, dass ihr Körper von Kopf bis Fuß komplett abdeckt ist. Dann gings komplett verhüllt, aber mit sichtlicher Freude ins Becken. Dabei trugen die muslimischen Teilnehmerinnen einen Burkini, der einem modernen Tauchanzug glich. „Ich denke, die jungen Menschen aus den betroffenen Gebieten befinden sich momentan in einer wegweisenden Umbruchsphase ihrer Persönlichkeitsbildung.

Im Kontakt mit unserer Kultur verlieren sie mit Sicherheit nach und nach ihre mitgeberachten Ängste, um langsam aber sicher ein Bestandteil unserer Gesellschaft zu werden“, sagte Lehrerin Biemann. Sie erklärte:“ Je Bildungsärmer die sind, desto strenger wird die Religion eingehalten“. Und Ängste gab es genügend. So traute sich ein syrisches Mädchen zunächst gar nicht ins Wasser. Laut Biemann sei sie durch Erlebnisse wie Bombenangriffe in Syrien sowie die Überfahrt nach Europa in einem Schlauchboot, das nahezu gesunken sei, mehr als verängstigt. „Mit diesen Erlebnissen ist das Mädchen nicht alleine. Derartige Erfahrungen müssen erst einmal aufgearbeitet werden“, erklärte Lehrer Vogel. Schwimmlehrerin Hummel sagte: „Ich finde es ganz toll, dass die so gut mitgemacht haben. Die meisten syrischen Frauen können nicht schwimmen, da Schwimmen für weibliche Wesen in Syrien einfach Tabu ist. Aus diesem Grund können die Mütter ihren Mädchen auch nicht die Möglichkeit bieten, Schwimmen zu lernen“. Sie mahnte: „Immer mehr Lehrschwimmbecken werden geschlossen, dafür steigen die Kosten unter anderem für teure Stadions. Beim Fußball gibt es mal einen Bänderriss oder eine Zerrung.

Im Wasser lauern auf Nichtschwimmer fatale Folgen, zumal viele Kinder oder Jugendliche aus Scham einfach verschweigen, dass sie gar nicht schwimmen können“. Finanziert wurde der zehnstündige Schwimmkurs, dessen Kosten 3.500 Euro betragen vom Verein „Lichtblick-hilft Familien“. Die Stadtverwaltung Leutkirch stellte im Rahmen eines ganz gewöhnlichen Schulunterrichts, die Nutzung des Freibades kostenlos zur Verfügung.

Bildunterschrift: Die Leutkircher Gemeinschaftsschule ermöglich im Freibad am Stadtweiher, Nichtschwimmern, egal ob in Badehose, Bikini oder Burkini die Möglichkeit Schwimmen zu lernen.