Hospiz-Eröffnung im ehemaligen Krankenhaus: Ein besonderer Tag für Leutkirch, den Landkreis, für Unterstützer und das Hospiz-Team

Leutkirch – Mit dem Hospiz „Ursula“ im ehemaligen Leutkircher Krankenhaus im 2. Stock sind bei weitem nicht nur die letzten freien Zimmer gefüllt, das stattliche Haus hat einen ganz besonderen Ort für Menschen und einer „Zeit des Lebens“ erhalten. Hier wurden seit dem Bau vor der Jahrhundertwende schon Tausende von Leutkirchern geboren, unzählige Bürger von Beschwerden und Krankheiten geheilt, umsorgt und gepflegt. In das Hospiz mit acht Plätzen kommen Menschen nun hierher, um ihre letzte Lebenszeit würdevoll zu leben, liebevoll umsorgt zu sein, in stiller und sehr ansprechend eingerichteter Umgebung, mit Blick auf die Stadt und die Berge, und um zu sterben. Diesen besonderen Tag für Leutkirch nach seiner lebhaften Krankenhaus-Geschichte, für viele Unterstützer, Förderer und Engagierte, wurde mit geladenen Gästen aus Kirche, Politik, Pflege, Wirtschaft und Vereinen am vergangenen Freitagabend gefeiert. Vertreter der katholischen und evangelischen Gemeinde segneten die neuen Räumlichkeiten, bevor die Besucher alles anschauen konnten.

Fahnen, Herzlichkeit und viele VIPs

Freundlich war der Empfang mit wehenden blauen Fahnen mit der Heiligen Elisabeth drauf, vor dem Haupteingang. Ein warmer Sommerabend, im Foyer eine warme Umgebung, auch fürs Herz, denn Herzlichkeit und Willkommen sein – auch das lag in der Luft. Warme Klänge vom Tuba-Quartett der Musikschule Leutkirch, mal klassisch, mal spirituell, mal flott und modern, umrahmten die Reden der prominenten Gäste, zu denen auch SD Fürst Erich von Waldburg-Zeil mit seiner Frau, Gräfin Mathilde gehörte.

Stiftungsvorstand dankt allen  // Hospiz – ein besonderer Ort

Peter Wittmann, der Vorstand der St. Elisabeth-Stiftung aus Bad Waldsee, die die Leutkircher Einrichtung als 3. Haus (neben Ravensburg und Biberach) nun betreibt, begrüßte die Besucher und stellte Tobias Bär als Bereichsleiter Hospize und die Leutkircher Leiterin Evelyn Mauch vor. Besondere Momente im Leben seien nicht nur der 1. Schul- oder Arbeitstag, die Hochzeit, das 1. Kind, sondern auch die Zeit, wenn das Sterben kommt. Diese Zeit erleben und begleiten zu dürfen, sei ein Geschenk, nicht nur Krankheit, Abschied und Trauer. Dass es so einen Ort nun in Leutkirch gebe, sei nur mit Beteiligung und Engagement sehr vieler Menschen aus vielen Bereichen gelungen.

Wittmann ging auf die Geschichte ein, wie es vor einigen Jahren zu den ersten Gesprächen kam bis zur Eröffnung und sagte allen ein großes Dankeschön für das sehr gute Miteinander. Allen voran OB Hans-Jörg Henle, ein Mann der Tat und sehr verlässlich, an die Bürgerschaft für den Sinn fürs Gemeinwohl, dem fürstlichen Haus Waldburg-Zeil, den vielen Firmen aus Leutkirch und Umgebung. Besonderen Dank sprach er der Bürgerstiftung Leutkirch aus sowie den beiden Hausmeistern Peter Butscher und Josef Huber für Hilfe, Geduld und Freundlichkeit.

Kreuze auf Holz – Kunstwerke und Himmelsleiter

Die Hospiz-Einrichtung müsse nicht nur funktionell sein, sondern v.a. Wärme ausstrahlen, so Wittmann. Ein Künstler aus Memmingen wurde gebeten, passende Gemälde zu gestalten. Der Fotoclub Kißlegg-Leutkirch und die Leutkircher Montagsmaler stellen Fotos und Kunstwerke zur Verfügung und spenden den Verkaufserlös. Eine Besonderheit: Die Kreuze, die früher in Krankenhauszimmern hingen, wurden mittels einer kreativen Idee wiederverwendet. Die Christus-Korpus aus Eisen hängen nun je an einer Holzscheibe eines Baumstammes aus dem Krankenhauspark. Auch der Raum der Stille mit dem Kunstwerk aus Leinen „Himmelsleiter“, das die Ordensschwester  Sr. Pietra vom Kloster in Sießen mit dem Hospizgedanken förmlich „verwoben“ hat, gehört zum Hospiz mit seinem besonderen Ambiente. Das Wichtigste seien jedoch die Mitarbeiter im Hospiz, die mit Evelyn Mauch und Team die Seele des Hauses sein werden. Ab der 2. Juliwoche werden die ersten Gäste aufgenommen.

1,3 Millionen Kosten für 640 qm

Eine Rede voller Lob, vor allem für das gute Miteinander, das Netzwerk, das hier greift und funktioniert, sprach Landrat Harald Sievers (anwesend auch Raimund Haser), der OB Henle als Mann der großen Projekte und das Geld von 1,3 Millionen Umbaukosten zu einem Hospiz auf 640 qm sehr gut angelegt sieht. Er zitierte Genesis….. und er sah, dass es gut war. Von 44 Land/Stadtkreisen in BaWü haben mit Leutkirch nun 31 davon eine Hospiz-einrichtung. Sehr gut sei der Landkreis RV aufgestellt mit Hospiz in RV, Wangen, Leutkirch mit je acht Plätzen. Dank ging auch an die ambulante Hospizgruppe in Leutkirch. (Ulrike Butscher u.a. anwesend).

Nachnutzung ist gelungen – Spenden erwünscht

OB Henle brachte es auf den Punkt: Einer allein ist gar nichts, nur gemeinsam schafft man es, es brauche alle für so ein Projekt. Die schönen Räumlichkeiten im 2. OG werden sterbenden Menschen eine angenehme Zeit ermöglichen, gut versorgt und nicht allein gelassen in der schwersten Zeit, so Henle. Die Nachnutzung des Gebäudes sei gelungen und er dankte für die vielseitige Unterstützung, auch vom Verein „Pro Krankenhaus“, der Bürgerstiftung, schließlich brauche eine Hospiz auch Spenden, nämlich 5 Prozent. Die Bürgerschaft in Leutkirch stehe voll dahinter und ergänzte mit dem Zitat von Heinemann: „Eine Gesellschaft erkennt man daran, wie sie mit den Schwächsten umgeht“.

Autonomie, Solidarität und Würde bis zum Tod

VIP war u.a. auch Manne Lucha, Minister für Soziales und Integration BaWü, frisch aus Berlin eingeflogen. Ein Gedicht von Rielke über den Tod stand am Beginn seiner Rede. Rund 900.000 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland, viele davon daheim, aber auch in Heimen oder im Hospiz. Sterben sei nicht einfach, es ist fremd und wird verdrängt. Das Wichtigste sei, den Menschen die Autonomie, die Solidarität und die Würde in der letzten Zeit ihres Lebens zu geben. Das sei echte Sorge-Kultur. 1990 gab es das erste Hospiz in Deutschland für Aids-Kranke, 1999 das erste Kinder-Hospiz, 2019 ist Leutkirch das 31. Hospiz im Land BaWü, so die Entwicklung. Das Land fördert Hospize seit 2018, ein Antrag der St. Elisabeth-Stiftung ist eingegangen. Großen Respekt zollte Lucha dem Personal.

Brücke zwischen Leben und Tod – Der Gast bestimmt den Tagesablauf

Es folgten kurze Ansprachen vom evangelischen Pfarrer Volker Gerlach und Pastoralreferent Benjamin Sigg zur Hospiz, wo Menschen aufhören zu atmen, wo die Brücke zwischen Leben und Tod ist, ein Ort, den man unter den Segen Gottes stellt. Gemeinsam wurde ein Vater unser gebetet. Sigg überreichte einen Engel auf einer Tafel „Ich bin da“ als Geschenk. Auch einige Ordensschwesters aus Reute bei Bad Waldsee und Sießen waren unter den Gästen, sogar Schwestern, die schon im Krankenhaus in Leutkirch gearbeitet haben.

Während der Segnung der Hospiz-Räume mit den VIPs, erläuterte Evelyn Mauch den Ablauf der Hospiz-Arbeit, allgemein und in Leutkirch. Der Ablauf des Tages bestimmt der Gast, nicht das Personal. Man versuche, alle Wünsche zu erfüllen. Das Fachpersonal, Pflege sowie Hauswirtschaft, alle seien hochmotiviert und bereit. Im Hospiz gehe es in erster Linie ums Leben, aber auch um den Tod. Den Tagen mehr Leben zu geben, nicht umgekehrt, ist die Devise. Alle fänden die Räume hoimelig und freuen sich auf den Beginn. Tobias Bär schätzt Evelyn Mauch und meinte: „Sie lebt das Hospiz“.

Großer Ansturm bei Tag der offenen Tür

Am Samstag beim Tag der offenen Tür war fast Hochbetrieb. Sehr viele Menschen, auch von anderen Städten sowie von Pflege- und Hospiz-Einrichtungen. „Alle fanden die Zimmer sehr hoimelig, das hat uns sehr gefreut“, berichtet Evelyn Mauch glücklich. Besonders der große angebaute Balkon war ein Highlight mit dem herrlichen Blick nach Leutkirch und die Alpen. Hier könne man auf Wunsch den Gast auch im Bett hinaus bringen. Schön fanden die Besucher die Einrichtung der Zimmer, das Wohnzimmer, Kunst und Pflanzen, das Pflegebad mit Blumenbild an der Wand sowie das Zimmer für Ruhe und Besinnung mit dem Leinen-Kunstwerk. Ein Rahmenprogramm mit Infos, Vorträgen, Musik und snacks, Kaffee und Kuchen rundete den Tag für die Öffentlichkeit ab.

Anfragen für Hospiz-Plätze unter Telefon 07561 912770 (Hospiz Ursula).

Ein Interview mit Evelyn Mauch mit dem SWR 4  Rundfunk fand am Montag statt.