Im Trichter-Meiler entsteht wertvolle Pflanzenkohle – Landwirte “köhlern”

Wielazhofen – Das Köhlern ist eine alte Kunst, um Holzkohle herzustellen. Es findet dabei eine Holzvergasung statt, keine Verbrennung. Es geht um die Spaltung organischer Verbindungen unter Sauerstoffausschluss, auch Pyrolyse genannt. Ein ähnliches Verfahren wurde wieder „neu entdeckt“, um wertvolle Pflanzenkohle herzustellen für den vielfältigen Einsatz in der Landwirtschaft. Inzwischen kann man fertige Trichter-Meiler, sogenannte Kon-Tiki in verschiedenen Größen kaufen und selber köhlern. Die beiden Wielazhofer Landwirte Matthias Brauchle und Stefan Rottmar (auch Mitglieder der Wasserbüffelgemeinschaft) wollten jedoch selber aktiv werden und haben sich als „Corona-Projekt“ im Jahr 2020 einen Kon-Tiki für 2000 Liter Inhalt nach einer Bauanleitung zusammengeschweißt.

Es entstand ein neuneckiger Trichter, der eine ganz bestimmte Neigung haben muss, damit möglichst wenig Sauerstoff zur Verbrennung dazukommen kann. Zur besseren Luftführung und als Schutzwand fertigten sie auch einen Metallmantel um den Kon-Tiki herum an, mit Griff-Elementen zum Abnehmen. Inzwischen haben Brauchle und Rottmar schon einige Male geköhlert und können von guten Erfahrungen berichten. Zusätzlich verwenden beide auch gekaufte Pflanzenkohle in Ihren Betrieben.

Das Wichtigste bei dieser Art von Köhlern ist es, die genauen Zeitpunkte für den Ablauf zu lernen, vom Auflegen der verschiedenen Holzlagen, über die Konsistenz des noch schwelenden Holzes bis zum Zeitpunkt, wenn das kalte Wasser zur Kühlung eingelassen werden muss, bis sich der Trichter langsam füllt und der heiße Inhalt in wertvolle Pflanzenkohle verwandelt wird. Das Feuer sollte ruhig brennen können, es darf kein stärkerer Wind sein.

Bodenverbesserung – Einstreu im Stall oder für Biogasanlage

Matthias Brauchle erfuhr bei einem „Bodenkurs im Grünen“ für regenerative Landwirtschaft, wie man Pflanzenkohle selber herstellen kann und wie effektiv sie in mehreren Bereichen wirkt: Zur Bodenverbesserung, als zusätzliche Einstreu im Stall oder als Beifutter, aber auch für die Biogasanlage als Lebensgrundlage für Bakterien, oder zum Ausbringen aufs Feld. Pflanzenkohle enthält wichtige Mineralien, ist sehr beständig, wirkt antioxidativ, stabilisiert Rotteprozesse, vermeidet jedoch Fäulnis und vor allem bindet sie Nährstoffe, aber auch Schadstoffe.

„Die Herstellung der Pflanzenkohle kann sich wie einen Akku vorstellen, den wir dann im Stall mit Nährstoffen aufladen, welche wiederum von den Pflanzen aufgenommen werden. Von der Holzverbrennung, über die Nutzung bis zur Ausbringung in die Natur ist es ein in sich geschlossener Kreislauf, klimaneutral und regenerativ“, erklärt Brauchle und schildert den genauen Ablauf, wie die Pflanzenkohle entsteht:
Im Trichter-Meiler wird mit gut getrocknetem Holz ganz unten ein Feuer entfacht. Sobald sich auf den Holzscheiten eine weiße Schicht bildet, kommt die nächste Lage Holz drauf, die wieder bis zur weißen Schicht brennen darf und so kommen vier bis fünf weitere Lagen Holz in den Kon-Tiki bis zum oberen Rand. Das Material darf nicht ganz verbrennen, sonst hat man nur Asche. Zeigt das oberste Holz auch die weiße Schicht, kann das Feuer „abgelöscht“ werden. Dazu steht ein 1000-Liter Wasserbehälter bereit, den man am Kon-Tiki unten anschließt.

Ganz langsam lässt man das kalte Wasser in den heißen Trichter einfließen. Es zischt und kracht ein wenig, die schwelenden Holzstücke werden „gesprengt“, es entstehen unzählige kleine Teile Holzkohle. Steigt das Wasser weiter hoch, beginnt die schwarze Masse darin zu schwimmen. Das Einlassen des kalten Wassers zur Kühlung nennt man Quenchen.

Holzkohlenstücken haben gewaltige Oberfläche

„Oder auch: Das Feuer geht baden“, schmunzelt Stefan Rottmar, der zusammen mit Matthias Brauchle mit Schaufel und Gabel die größeren Holzstücke noch vollends zerkleinert. Das Wasser hat jedoch das meiste Material im Kon-Tiki innerhalb kurzer Zeit bereits zermahlen. Jedes Stück Pflanzenkohle hat eine gewaltige Oberfläche von bis zu 300 m² je Gramm, die dann ihre Wirkung am „Einsatzort“ Stall, Biogasanlage usw. voll entfalten kann.
Etwa ein Viertel des Wassers wird von der Holzkohle aufgesogen, das Restwasser holt man zurück in den Container. Es ist nicht schwarz, sondern glasklar, mit Nährstoffen angereichert und kann prima zum Gießen im Garten verwendet werden. Den Kon-Tiki mit der Holzkohle lässt man abkühlen, bis man ihn leeren und das wertvolle „schwarze Gold“ verwenden kann.

„Wir sind echt begeistert, wie gut das Köhlern inzwischen geht und können es auch weiterempfehlen. Für alle, die entsprechendes Holz und etwas Zeit haben, ist es eine gute Ergänzung zur gekauften Pflanzenkohle. Wer Interesse hat, kann sich gerne mit uns in Verbindung setzen“, sagen die beiden Wielazhofer Landwirte.

Bilder vom Ablauf: Holzlagen, Einlass von Wasser, “umrühren und fertig”

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