Kunst in der Stadt noch bis 2. Oktober

Leutkirch – Nach dem Motto „Kunst für alle!“ präsentiert die Stadt Leutkirch im Allgäu diesen Sommer in der Altstadt einen Skulpturenweg mit 26 Werken von insgesamt zehn Künstlerinnen und Künstlern aus Süddeutschland. Über die Außenbereiche hinaus bespielen sie das Gotische Haus mit überdimensionalen Teichfolienschnitten und die Galerie im Kornhaus mit „kleinskulpturen“. Nina Joanna Bergolds „Stubenflieger“ treten in Interaktion mit schriftpoetischen Texten der Stuttgarterin Claudia Strohm. Die Ausstellung führt vor Augen, was heutzutage in Sachen Scherenschnitttechnik möglich ist. Die weitläufigen Räume im Gotischen Haus sind wie gemacht für die großflächigen Hängeobjekte, deren Schwarz mit dem hölzernen Umfeld eine Einheit bildet. Ein Vakuum, in das Bergolds „Netzschwimmer“ wie eingeschrieben wirken.

Die Schnitte erfolgen spontan und bewegen sich vornehmlich im Figurativen. Menschliche Körper in stark verkürzten Haltungen, über Kopf und eingespannt zwischen Himmel und Erde schälen sich heraus. Sie bleiben aber nie isoliert für sich stehen, sondern sind wie in einem Flow mit allem verbunden. Fein verästelte Liniengeflechte wechseln mit geschlossenen schwarzen Flächen ab, so dass sich unterschiedlich weit geöffnete Durchblicke ergeben. Das forciert ein fortwährendes Spiel aus Transparenz und Dichte, aus Leichtem und Schwerem. Hinzu treten Strohms Schriftbilder, die naiv scheinen, es aber nicht sind. Sie nimmt auseinander, was schon lange da ist und führt es uns in optisch abgewandelter Form vor. Sätze wie „wurmLöcher kÖnnen eiNe ABkürZung seiN“ irritieren mit Ungewohntem und animieren zum Nachdenken, ob das sein kann.

„Public Art“ in der Altstadt richtet ihren Fokus auf abstrakte bildhauerische Werke, wobei mit den so genannten SAPRI des Österreichers Alfred Bradler und den ebenso stark farbigen „Schwimmerinnen“ von Birgit Rehfeldt durchaus Figuratives beabsichtigt ist. Das kommt dem Gedanken der Vielfalt entgegen. So verkörpert Jörg Bachs monumentaler „Höhlenblock“ mit der samtartig anmutenden Corten-Oberfläche in Reinkultur dessen plastischen Gestaltungprinzipien. Kompakte Flächen kontrastieren mit offenen geometrischen Durchblicken, die sich je nach Betrachterstandpunkt wandeln. Seine spiralig in sich gedrehte „Bodenfrucht“ korrespondiert mit der aus Edelstahl gefalteten „Donau“ des Niederländers Herbert Nouwens.

Ob man hierin nun Flusswellen erkennen will oder nicht, sei dahin gestellt. Allein die Technik, dieses sperrige Material derart feingliedrig zu biegen, ist ein Verweilen wert. Beim Blick auf Bettina Bürkles „Colour Boxes“ ist augenblicklich die Assoziation an Bienenkästen da. Zuvorderst geht es aber um einen abstrakt-minimalistischen Zugang. Hans Schüles „Hybride“ erinnern an Zellkulturen im 3D-Format. Aus Stahlrohren geschnittene Ringe sind zu Kugeln zusammen geschweißt und auf Grund ihrer kaum zu entwirrenden Verdichtungen von magischer Anziehungskraft. Mitten im alltäglichen Getriebe ragen die Skulpturen von Christoph Traub auf. Seine aus Granit und Jura gehauenen, archaisch gestimmten Torsi imponieren durch ihre Wucht einerseits, andererseits durch die sinnlichen, teils scharf gebrochenen Oberflächenkontraste. Anders verhält es sich mit Wolfgang Kesslers Paar „König und Königin“, die zu Säulen abstrahiert Fragen aufwerfen nach einem wer ist wer von dem Hintergrund von Klischeevorstellungen.

Bei den von Lioba Abrell ausgebohrten Flusssteinen verwandelt sich der ausgehöhlte Kern in einen Lichtraum. Ihnen wohnt Totemhaftes inne. Einen starken Kontrast bietet die Installation „Dufomurs Last Combastion“ von Florian Rautenberg. Sein poppig ausgestalteter Kosmos hat spielerischen Modellcharakter. Aus Holz „gebastelte“ Gerätschaften, die aus dem Arsenal einer Verteidigungsanlage stammen könnten, fügt er zu einem Ensemble, das um seiner selbst willen existiert. Die Leutkircher Kunstprojekte vereinen viele verschiedene, sich gegenseitig befruchtende Blickachsen, die zur Auseinandersetzung herausfordern.

Pressemitteilung der Stadt Leutkirch

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