Letztes Konzert im Hirschstadl vor dem Lockdown – Motivierte Liedermacher gestalten amüsanten Abend

Urlau – Mehrmals im Jahr und das seit vielen Jahren organisiert Fabian Mroz Veranstaltungen mit regionalen Singer/Songwriter-Künstlern, so wie im Hirschstadl am vergangenen Samstag. Kurzfristig anberaumt wegen den bevorstehenden Lockdown-Bestimmungen mit Schließung der Gaststätten und Veranstaltungsverboten fanden sich neben Fabian und Steffi von Steffi’s Musik noch zwei Künstler ein. Alle zeigten sich sehr motiviert und sehr froh darüber, doch noch einmal auftreten zu können. Im sehr abwechslungsreichen Programm, locker-leicht moderiert von Fabian Mroz, waren „Lieder mit Patina“ von Hannes Wader und Reinhard Mey, die bekannten Urväter der Liedermacher, mit Themen, die heute noch aktuell sind.

Dem Datum 31. Oktober und Halloween geschuldet, boten Fabian und Steffi (rechts, links) einen Monstersong, wobei das Monster sich als die eigenen Gedanken entpuppte. Steffi zeigte ihr Multitalent an Gitarren und an der Quetsche. Von Folk und Volksmusik spannte sich der Bogen bis zu Queen und Boney M. Auch Mundartlieder gab es, denn Steffi besang ihre „Scheene Berg-Huimat (Heimat) im Allgäu.

„Das geht uns alle an“

Selbstgemachte Lieder folgten auch von dem Sänger und Gitarristen Sigi Lüer (Bild Mitte) aus Kempten. Als Gründer der Allgäuer Liedermacher ist er im Metier zu Hause und präsentiere neben Coversongs auch Eigenkompositionen, teils ganz familiär, vom glücklichen Zustand Opa zu sein, aber auch politisch-sozialkritisch: „Das geht uns alle an!“, komponiert 2015, als der Flüchtlingsstrom kam, und jetzt wie eine Parallele zum Corona-Virus schien.

Wenig Gäste – viel Applaus

Das wenige Publikum sparte nicht mit Applaus, das Konzert hätte wahrlich mehr Fans für regionale Liedermacher verdient gehabt. Einer der Höhepunkte waren die beiden Acts von J-Man aus Wangen. Ein Wortkünstler ersten Ranges, der neben Poetry Slam, Lesebühnen und Moderationen auch das „Geh-Dicht“ meisterhaft beherrscht. 150 Tiere hat er in eine schöne Liebesgeschichte gepackt, à la Willi Astor, mit künstlerischen Pausen – fürs Erkennen der Pointe.

„Lockdown nicht ganz nachvollziehbar“

Unter den Zuhörern waren Einheimische, aber auch Urlauber, die im Hirsch nächtigten. Alle waren sich einig: „Schön, dass man noch einen Abend mit musikalisch-poetischer Kunst erleben durfte. Jetzt kommt eine lange Pause für die Künstler und Musiker, aber auch für die Gastronomie und das in der dunklen Jahreszeit.“ Zwei Gäste aus Urlau können den zweiten Lockdown nicht ganz nachvollziehen: „Im häuslichen Bereich passt man doch mit dem Abstand eher weniger auf. Im Gasthaus gibt es Regeln und ein gutes Hygiene-Konzept. Wie sollen die Infiziertenzahlen da nach unten gehen“, fragen sie sich.

Künstler J-Man findet es sehr bedauerlich mit dem Lockdown. Künstler wie er brauchen die Bühne und das Publikum, ganz abgesehen von den Einnahmen. Fabian und Steffi sind trotz Lockdown etwas zuversichtlicher und haben eine künstlerische Perspektive, Ideen und Pläne. Derzeit arbeitet Fabian Mroz an mehreren Studioprojekten, u.a. dem Jubiläums-Sampler „40 Jahre Münchner Freiheit“ mit renommierten Künstler aus der Popszene. Ansonsten halte man sich mit Proben und kleinen Sessions stimmungsmäßig „über Wasser. Er müsste nicht von der Musik leben und hat noch einen Job. 2019 spielten er und Steffi auf rund 70 Konzerten, 2020 waren es bisher nur zehn, u.a. mit viel Kreativität seitens der Gastronomie, lobt der Liedermacher. Doch in seinem Bekanntenkreis der Kulturschaffenden bleiben mit dem zweiten Lockdown einige auf der Strecke, wenn auch die Hoffnung zuletzt stirbt, dass wieder Veranstaltungen stattfinden können.

„Wer weiß – was die Zukunft bringt“

Mit Liedern könne man zwar die Welt nicht ändern, aber den Menschen Freude ins Herz bringen, war das Resümee des Abends. Nachdenklich stimmte ein Song von Sigi, das er 2008 zur Finanzkrise geschrieben hatte: „In dieser Welt läuft schon lange nichts mehr rund“ – über frustrierte Bürger und untätige Politiker, über den krassen Unterschied von Arm und Reich und dass am Ende der Bürger die Zeche zahle.“

Fürs Konzert eingeplant war auch die Leutkircher Künstlerin Mondkatz, hat jedoch wegen dem erneuten Corona-Lockdown abgesagt. Sie habe doch ein mulmiges Gefühl, obwohl sie neue Lieder hätte präsentieren wollen. Das Abschiedslied, gemeinsam vorgetragen von Steffi, Fabian und Sigi passte zu diesem vorerst letzten Konzert: „Wer weiß“, z.B. was die Zukunft bringt!“ und alle durften mitsummen.

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