Leutkircher besuchen die neue Ulmer Synagoge

Leutkirch – Der Nationalsozialismus hat deutliche Spuren in der religiösen Vielfalt der Gemeinde Leutkirch hinterlassen. War die Familie jüdische Gollowitsch damals mit ihrem Textilwarenhandel deutlich sichtbar im Stadtleben vertreten, so gibt es heute erkennbar keine Zeichen von jüdischem Leben in der Stadt.
Anlässlich der in der Geschwister-Scholl-Schule gastierenden Anne Frank Ausstellung hat der Mosaik Verein daher die Initiative ergriffen und eine Fahrt zur Ulmer Synagoge organisiert. „In der Synagoge werden kostenlose Führungen angeboten – ich kann nur jedem empfehlen, eine wahrzunehmen“ sagt Vereinsmitglied und Organisator Murat Sagkol nach dem Ausflug.

„Ich habe mich schon immer für verschiedene Religionen und Weltanschauungen interessiert. Ich hatte hier die Gelegenheit, eine Synagoge zu besuchen, die ich von außen sah, aber nicht von innen besichtigen konnte. Obwohl wir unterschiedliche Religionen und Traditionen haben, leben wir zusammen auf dieser Welt. Daher ist es wichtig, dass wir mit Organisationen dieser Art miteinander im Dialog stehen“, so die muslimische Teilnehmerin Aysegül G.
Mehr als 70 Jahre nach der Reichspogromnacht im November 1938, in der auch die Ulmer Synagoge zerstört worden war, wurde die neue Synagoge am Weinhof im Jahr 2012 eingeweiht.

„Das war für mich sehr interessant. Ich hatte vorher noch nie eine Synagoge besucht. Mit dieser Führung hatte ich die Möglichkeit, mehr über das Judentum zu erfahren. Die Informationen des Rabbiners über die Vergangenheit und Gegenwart der Juden in Deutschland und Ulm waren hilfreich. Ich hoffe, dass niemand den gleichen Schmerz noch einmal erleben wird. Angehörige verschiedener Religionen können unter dem Dach universeller menschlicher Werte zusammenleben. Vielen Dank an alle, die uns diese Möglichkeit gegeben haben“ sagt Teilnehmer Mustafa K.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Lasst mich ich selbst sein – Wer bist du denn?“. Anlässlich einer Wanderausstellung über Anne Frank in der Geschwister-Scholl-Schule finden in diesem Rahmen ein Dutzend Veranstaltungen statt, die Begegnungen ermöglichen und Rechtsextremismus im heutigen Deutschland beleuchten. Das ganze Programm ist unter www.leutkirch.de/demokratie zu finden.

Das Foto zeigt Herrn Shneur Trebnik, Ortsrabbiner Ulm, in der Synagoge.

Text: M. Hönig (Partnerschaft für Demokratie Leutkirch-Aichstetten-Aitrach, Koordinierungs- und Fachstelle) Bildnachweis: „Demokratie leben!“

 

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