Menschen mit Alzheimer durch Worte glücklich machen

Die an Demenz erkrankten Bewohner der Hausgemeinschaft Vinzenz von Paul sitzen in einem großen Stuhlkreis und klatschen in die Hände. Der Poetry-Slammer Lars Ruppel ist mit seinem Alzheimer Poesie Projekt „Weckworte“ nach Leutkirch gekommen.

Das Projekt hat das Ziel, dass an Alzheimer erkrankte Personen einen Zugang zu Poesie bekommen und sich an bekannte Gedichte erinnern können. Mit Poetry-Slam habe das Projekt eigentlich nichts zu tun, erklärt Ruppel, die Gedichte müssten anders vorgetragen werden. „Weckworte“ sei eine Pflegetechnik, wie man die pflegebedürftigen Menschen erreichen kann.

Doch nicht nur die Bewohner sollen vom Projekt profitieren. In Leutkirch sind auch Schüler der Grund- und Werkrealschule am Adenauerplatz eingeladen. Die Schüler haben im Vorfeld an einem Workshop mit Lars Ruppel teilgenommen und gelernt, Gedichte für die dementen Menschen verständlich zu machen.

Jedes Gedicht wird den Bewohnern von den Schülern etwas anders vorgetragen: So werden Verse wiederholt, mit Gesten lebendig gemacht und in der Gruppe vorgetragen.

Lars Ruppel gelingt es erstaunlich gut, die älteren Menschen zum Mitmachen zu animieren. Einige der Bewohner sind nicht ansprechbar, aber sie klatschen ohne Ausnahme mit, wenn Ruppel dazu einlädt. Ein Mann spricht fast alle Gedichte mit und vervollständigt gekürzte Gedichte. Als der 28-Jährige bekannte Lieder wie „Freude schöner Götterfunken“ anstimmt, erinnern sich viele Bewohner an Text und Melodie und singen mit.

Auch den Schülern scheint das Projekt zu gefallen, Christina Pirker von der Senioreneinrichtung sagt: „Heute Morgen waren sie noch schüchtern, jetzt lachen sie viel und machen richtig mit“. Die Wohngemeinschaft habe bewusst Menschen eingeladen, die eigentlich nicht so viel mit dem Thema zu tun haben, um sie mit Alter und Demenz in Verbindung zu bringen. .„Durch den demografischen Wandel gibt es schon jetzt 1,4 Millionen Menschen mit Demenz“, so Pirker, „doch neben der Bewusstseinsbildung, möchten wir unseren Bewohnern auch eine Teilhabe am kulturellen Leben ermöglichen“.

Einer der Bewohner sagt am Ende: „Es ist immer schön, wenn man es kurzweilig hat“. Schülerin Martina Joos, 16, sagt: „Das Projekt war mal was ganz anderes. Ich habe gelernt, dass man Menschen nur durch Worte glücklich machen kann. Es hat mich selber richtig gefreut, dass die Bewohner sich so gefreut haben. Dass die Leute sich an alte Gedichte erinnern konnten, war echt schön. Es war auch für uns als Schüler interessant, dass Worte sich so schön anhören können“. Ruppel freut sich darüber und sagt: „Die Jugendlichen sollen erkennen, dass sie in der Lage sind, Menschen durch ganz kleine Sachen glücklich zu machen.“

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