Museum im Bock präsentiert sich in weihnachtlichem Glanz

Leutkirch (gs) – Herrlich weihnachtlich und wunderschön geschmückt präsentiert sich derzeitig das Museum im Bock. Eine Besonderheit stellt dabei eine Springerle-Ausstellung dar. Auf drei Etagen erwartet die Besucher bis Mitte Januar neben zahlreichen, historischen Krippen, wunderschönen, alten Puppenstuben, glitzernder Christbaumschmuck aus vergangenen Zeiten, verschiedene Fatschenkindle und als Besonderheit auch eine Springerle Ausstellung. Liebevoll zusammengestellt wurde diese von Gertrud Pfeffer (im Bild). Gezeigt werden zahlreiche haarscharf gestochene Model mit den dazugehörigen Springerle. Zum Springerle selber: Die ältesten Nachweise von Modeln, die zum Prägen von Teig verwendet wurden, stammen aus der Zeit um 2500 vor Christus.

 

Die Geschichte der Gebäckmodel in der Region ist auf das Ende des 13. Jahrhunderts zurück zu führen. Verwendet wurden für die Erstellung von Gebäckmodel zunächst, Ton, Stein, Kalkstein und ab dem 16. Jahrhundert, verschiedene Hölzer. „Gebäckmodel verbreiten durch die gebackenen Bilder alles Wissen um unser Leben, unser Brauchtum oder um unsere Religion und sind quasi unsere ersten Bilderbücher“, sagt Pfeffer. Auf älteren Modeln seien überwiegend biblische Themen abgebildet. „Mit dem Zeitalter der Renaissance wurde auch das tägliche Leben in seinem Alltag, seinen Festen und Gebräuchen ins Bild gestochen“, so Pfeffer. Die Kunst ein Model zu schaffen habe schon immer ein kompliziertes und seitenverkehrtes Denken gefordert. Nicht selten hätten in vorchristlichen Zeiten Gebildebrote als Seelenspeise für die Verstorbenen gegolten. „Entweder galten diese als Grabbeigabe, wurden am Gedächtnistag auf das Grab, beziehungsweise als Opfer auf den Altar gelegt “, erzählt Pfeffer, die selber zum adventlichen Museumssingen etwa 150 Springerle gebacken hat und folgenden Rezeptvorschlag von Hanna Kronberger- Fürsten aus dem Jahre 1959 (Württembergisches Landesmusem Stuttgart) empfiehlt:

„Nimm vom Mehl ein Pfund, siebe es fein und stell es über Nacht ins Ofenloch. Nimm ein Pfund trockenen Zucker und vier Eier – aber große, zwei Esslöffel ausgeblasenem Anis, wenn du es fein haben willst. Zucker, Eier und Anis lass vom ältesten Buben rühren, dann vom zweitältesten, dann vom dritten. Zusammen wenigstens eine Stunde, dann gib das Chrisiwasser (Kirschwasser) dazu, schaffe das Mehl darunter und wirke den Teig auf dem Wallbrett bis er schön verbunden ist. Wälle den Teig auf, aber nicht zu dünn und drücke mit Sorgsamkeit und Kraft die Model auf. Bestäube hernach alles mit Mehl.

Dann Brett 24 Stunden an die Wärme stellen und bei schwacher Hitze backen. Um sie schön weiß zu haben, stäube vor dem Backen Mehl darauf und blase es nachher weg. Kriegen sie keine Füßchen, so schimpfe die Buben aus oder aber die Stubenmagd – denn dann war schlecht gerührt oder es gab Durchzug in der Stube.

INFO

Geöffnet ist das Museum im Bock immer an Sonn- und an Feiertagen, von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr sowie mittwochs, von 14 bis 17 Uhr. An Heilig Abend, am ersten Weihnachtsfeiertag sowie an Silvester bleibt das Museum geschlossen.

Bildunterschrift:

Eine Springerle-Ausstellung im Museum im Bock, zusammengestellt von Gertrud Pfeffer, erzählt viele Geschichten aus längst vergangenen Zeiten.

Scroll to Top