Noch einmal jedem Gast Aufmerksamkeit schenken

Leutkirch – 47 individuell gestaltete Holzscheiben, 47 Lichter, 47 Namen – Mitarbeitende haben in der Galluskapelle Tautenhofen der Menschen gedacht, die seit der Eröffnung im Juli 2019 im Hospiz Ursula in Leutkirch verstorben sind. Wegen der aktuellen Einschränkungen konnten Angehörige nicht dabei sein, sie bekommen eine Erinnerung an die Feier zu Ehren ihrer Lieben nach Hause geschickt. Unter Einhaltung der gültigen Hygienebestimmungen, mit großem Abstand voneinander und trotzdem in spürbarer Verbundenheit haben Hospizleitung Evelyn Mauch und zehn ihrer Mitarbeitenden sich eine Stunde Zeit genommen und gemeinsam der 47 Gäste gedacht, die sie seit Bestehen des Hospiz Ursula auf der letzten Etappe ihres Lebensweges umsorgt haben.

In der Mitte des lichtdurchfluteten Rundbaus leuchtet die große Kerze, die im Hospiz immer dann entzündet wird, wenn ein Gast stirbt. Drumherum liegen strahlenförmig die Holzscheiben. Für jeden Gast eine, vom Team mit Namen, Geburts- und Sterbedatum beschriftet, farbig und liebevoll gestaltet. „Jeder unserer Gäste brachte seine eigene Lebensfarbe in seine Familie, in seinen Freundeskreis, in unser Hospiz“, sagt Dorothee Braig, Pflegedienstleitung des Hospiz Ursula. „Wir schauen dankbar zurück auf so vieles, was sie uns geschenkt haben und was in unseren Herzen weiterleben wird.“  Aus dem Gedenkbuch liest Evelyn Mauch jeden einzelnen Namen vor, während für jeden Gast eine Kerze entzündet und neben seine persönliche Astscheibe gestellt wird. Gesungen werden darf nicht, aber Mitarbeiterin Erika Pasian und Evelyn Mauch lassen feierliche Klaviermusik erklingen.

„Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ Evelyn Mauch stellt den von Cicely Saunders stammenden Leitsatz aller Hospize in Trägerschaft der St. Elisabeth-Stiftung in den Mittelpunkt ihrer Ansprache. „Wir können unseren Gästen ihre Erkrankung nicht nehmen, wir können nur Symptome lindern. Aber der Mensch besteht aus mehr als aus Symptomen“, sagt die Leiterin des Hospiz Ursula. „Wir müssen spüren, was dem Gast gut tut und auch die Begleitung der Angehörigen ist eine große Aufgabe. Dieses Innehalten heute ist auch für das Team wichtig.“ Sie sprechen Fürbitten und beten gemeinsam und schenken jedem Gast noch einmal ein paar Minuten Aufmerksamkeit. Es ist eine berührende Feier an einem besonderen Ort. Nur die Angehörigen fehlen. „Wir verschicken an sie die Holzscheibe ihres Verstorbenen mit einem Foto, auf dem die brennende Kerze zu sehen ist, und hoffen, dass wir ihnen so einen Lichtblick schenken können.“

Bildunterschrift: Das Team des Hospiz Ursula (Auf dem Bild von links Erika Pasian. Hospizleiterin Evelyn Mauch, Alexander Wachter, Dorothee Braig (Pflegedienstleitung), Petra Böttcher und Jennifer Stehle) hat der verstorbenen Gäste gedacht. Foto: Gottfried Brauchle/St. Elisabeth-Stiftung

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