Nur am 15. + 16.November: Außergewöhnliches Filmprojekt über die Fasnet endlich im Leutkircher Kino

Leutkirch –  Am Samstag, 15.11.2014, zeigt der Cineclub Leutkirch den  Film „Von Narren und Hexen” von Danièle Bellemare Lee. Die kanadische Regisseurin bietet damit einen neuen Blickwinkel auf eine alte Tradition. Nach dem Film laden Bellemare Lee, Jürgen Hohl, Markus Würstle, die Heimatpflege Leutkirch und die Narrenzunft Leutkirch e.V, am Samstag zu einer offenen Gesprächsrunde ein. Hier bietet sich eine Gelegenheit einer Begegnung von Vereine und Bevölkerung. Am 16. November gibt es eine weitere Vorführung. „Der Film passt hervorragend zu unseren Bestrebungen, die alemannische Fastnacht zum UNESCO Weltkulturerbe zu erheben”, so Jürgen Hohl, Kulturreferent der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Er sei nicht nur eine Dokumentation, sondern liefere erstmals eine ethnologische Herleitung dieses besonderen Brauchtums, „ein Zeitwerk”. Interessant findet der Experte, dass sich sogar ausgesprochene Gegner des närrischen Treibens durch den Film anstecken lassen könnten.

 

Als sich die Filmemacherin in Ravensburg niederließ, überraschte sie die Begeisterung der Leute für die Fastnacht. „In anderen Ländern lösen nur Nationalfeiern solch eine grenzenlose Hingabe aus”, so Bellemare. Sie habe sich nicht vorstellen können, wie intensiv das Gefühl der Zusammengehörigkeit zum Ausdruck kommen könne. Im Ausland würden die Deutschen kühler wahrgenommen, für sich zumindest müsse sie das heute revidieren.

Als Kanadierin ist Bellemare unvoreingenommen. Sie lebe hier, sei mittendrin, aber nicht dazugehörig. Das schaffe Distanz. So könne sie Details wahrnehmen, die denjenigen, die mit der Fasnet schon lange vertraut sind, nicht mehr auffallen würden. „Ich habe den Film Freunden gezeigt. Alle, Befürworter wie Ablehnende, haben gemerkt, dass ausgerechnet die Tradition eine moderne, offene Gesellschaft lebendig macht.”

Der Kern des Films: Es gibt traditionsreiche und neuere Zünfte, die sich nicht immer „grün” sind. Warum? Viele neuere Zünfte haben eine „Hexe” als Figur. In der ursprünglichen Fastnacht gab es diese Figur aber nicht. Wie kann traditionelles Brauchtum in unserer heutigen modernen Welt bewahrt werden, welche Veränderungen sind dabei akzeptabel, ohne den Brauch zu gefährden oder zu verfälschen. Und wie können neuere Zünfte selbst neue Traditionen entstehen lassen, ohne sich den Spott der traditionellen Zünfte einzufangen?

In unserer immer globaler und uniformer werdenden Welt sollte eine Rückbesinnung auf eigene Traditionen zur Wahrung der kulturellen Identität und zur Stärkung des Selbstbewusstseins eine wichtige Rolle spielen . Der Film kann ein Kommunikationswerkzeug sein. Welche Wahrnehmung der Fasnacht und der Zünfte bekommt die Bevölkerung nach dem Film? Der Film reisst viele Themen an und dient als Zündstoff für einen Austausch zwischen Bevölkerung, Zünfte, Experten, und dem Filmteam. Der Film wurde zwischen 2007 und 2013 hauptsächlich in Oberschwaben gedreht und zeigt am Beispiel von Ravensburg und Weingarten, was die Bedeutung der schwäbisch-alemannischen Fastnacht ist. Über 50 weitere Narrenzünfte aus den Umgebungen von Bad Saulgau, Bad Waldsee, Biberach, Bodensee, Esslingen,  Friedrichshafen, Kißlegg, Konstanz, Leutkirch, Lindau, Markdorf, Memmingen, Ravensburg, St-Gallen(Schweiz), Sigmaringen, Singen, Tettnang, Ulm, Wangen und Weingarten sind auch dabei.

Ein atmosphärisch dichter Film ist so entstanden, angefüllt mit Anekdoten, Geschichten und historischen Fakten.

Bild : Regisseurin Danièle Bellemare Lee

Aufführungen:

15.-16.11 2014 jeweils 20 Uhr

Am 15. November ein Gespräch mit der Regisseurin, die Mitwirkenden des Films, der Narrenzunft Leutkirch e.V., und die Heimatpflege aus Leutkirch im Allgäu.

Cineclub Leutkirch, Bachstraße 10
, 88299 Leutkirch

Info: www.kino-leutkirch.de

Musik: Nancy Carney-Thomas Frick-Johannes Kayser. und Sylvie Payette

Länge: 108 Minuten

Webseite und Trailer: www.bellemarefilm.de

Danièle Bellemare Lee wird in Montreal (Kanada) geboren. 1997 geht sie nach Frankreich, danach in die USA und lebt seit 2003 in Ravensburg. Nach ihrem Studium der Kultur- und Kommunikationswissenschaft in Montreal studiert sie an der Sorbonne in Paris Film und Drehbuch. In Deutschland arbeitet sie zwei Jahre als freiberufliche Kamerafrau (u. a. Regio TV-Euro3). Nach ihrem ersten Kunstfilm 2012 entwickelt sie mit Maria Niermann-Schubert das „Motion Painting”, ein neuartiges Konzept, bei dem Video und Malerei verbunden werden. mehrere Kurzfilme entstehen. Nach sieben Jahren Drehzeit stellt sie 2013 „Von Narren und Hexen” fertig, eine ethnologische Dokumentation über Tradition und Modernität in Fastnacht.

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