“Palast oder Hotel” – Insekten-Nisthilfen brauchen gewissen „Zimmer-Standard“, damit sie bezogen werden

Das Bauen und Aufstellen von sogenannten Insektenhotels, womit eigentlich immer Nisthilfen für Wildbienen gemeint sind, in privaten Gärten, an Waldrändern und Wiesen ist seit einigen Jahren richtig in Mode gekommen. Mode ist hier das richtige Wort, denn je üppiger, vielfältiger und bunter der Bau ist, scheint es eine „gute Adresse“ für Bewohner zu sein. Doch es geht hier gar nicht ums Aussehen, sondern um das richtige Nistmaterial, damit Wildbienen überhaupt „einchecken” können. Nisthilfen für Wildbienen selber zu bauen ist keine große handwerkliche Herausforderung, jedoch sollte man Einiges über die zukünftigen Bewohner wissen, ohne gleich ein Biologie-Studium absolvieren zu müssen. „Manche Konstruktionen, egal ob selbstgebaut, vom Baumarkt oder aus dem Internet sind nicht von Nutzen und das Geld nicht wert und oft bemängeln die Besitzer, dass kaum eine Wildbiene in ihnen Einzug hält“, sagt Franz Renner, Diplom-Biologe, pensionierter Naturschutz-Experte und ehemaliger Mitarbeiter des Naturschutzzentrums Wurzacher Ried.

Entscheidend für die Besiedelung einer Nisthilfe ist die Beschaffenheit der eingebauten Materialien. Diese sollten die natürlichen Nistgelegenheiten der Wildbienen nachahmen. Der Name „Hotel“ vermittelt zudem den Eindruck, dass Insekten nur mal kurz vorbeischauen oder Unterschlupf finden, aber es geht um eine Kinderstube inklusive Überwinterungsquartier und dient so zum Erhalt von Arten.

Zu eng, zu groß – alles muss passen

Insektenhotels mit Kieferzapfen, Rindenstücken, Holzsplittern, Ästen, Steinplatten, Ziegelsteinen, Heu und Stroh entsprechen nicht den biologischen Anforderungen. Bohrungen an den Stirnseiten von Hölzern sind für Wildbienen oft zu eng oder hinten offen. Nicht geeignet sind von Wand zu Wand quer eingelegte Schilfhalme. Hier können Bienen nicht in die Brutröhren schlüpfen. Häufig werden auch leere Lochziegel eingebracht. Sie füllen zwar rasch das Insektenhaus aus, sind aber für Wildbienen und solitäre Wespen nutzlos. Der Lochdurchmesser ist viel zu groß. Die Biene kann es sich nicht leisten, hier Brutzellen anzulegen. Dies würde viel Material und Zeit bedeuten und damit die Anzahl der Nachkommen verringern.
Lehmwände aus Ton oder hartem Lehm sind ebenfalls ungeeignet, da dieses Material zu hart ist. Hier können die Bienen keine Löcher bohren. Auch Gasbetonsteine sind ungeeignet, da sie Feuchtigkeit aufnehmen und die Brut dadurch verpilzt. Oft werde dieses Material in Bauanleitungen für Insektenhotels sogar noch extra angepriesen.

Hölzer, Schilfhalme, Bambus sind beliebt

Die einfachste Art Nisthilfen für Wildbienen anzufertigen ist es, in Harthölzer (Buche, Esche, Eiche) verschieden große Löcher mit 2, 4 ,6, 8 und 10 mm Durchmesser zu bohren. Das Muster der Bohrlöcher ist nicht wichtig, allerdings sollte die Anzahl der kleineren Löcher (2-6 mm) überwiegen. Die Bohrtiefe sollte mindestens das zehnfache des Lochdurchmessers sein. Nach dem Bohren muss die Oberfläche blank geschliffen werden, damit nicht querstehende Fasern die Bienen am Einschlüpfen hindern bzw. die Flügel verletzen. Man sollte nur ins Längsholz bohren, nicht ins Stirnholz.

Schilfhalme sind für Nisthilfen geeignet und werden von Wildbienen sehr gut angenommen. Allerdings muss man beachten, dass beim Ablängen mit der Gartenschere die Halme nicht gequetscht werden oder gar am Ende splittern und ausfransen. Zur Eiablage und zum Einbringen des gesammelten Pollen muss die Wildbiene mehrfach vorwärts und rückwärts in den Halm einkriechen. Splitter würden die Flügel beschädigen und deshalb vermeidet sie dies.

Bambusröhren mit einem Innendurchmesser von 3-9 mm werden hinter den Knoten abgesägt und sind somit hinten verschlossen. Die Länge kann 10-20 cm betragen. Mit einem Bohrer wird das Mark ausgeräumt, die Innenwandung sollte möglichst glatt sein. Dann die Bambusröhren bündeln oder in einer Dose, einem Holzkästchen oder in den Hohlräumen von Lochziegeln oder Kalksandsteinen unterbringen.

Wichtig ist Franz Renner: „Jede Art von Nisthilfe ist ein wichtiger Beitrag zum Artenerhalt und zur Biodiversität. Denn ohne Bienen, keine Bestäubung und ohne Bestäubung kein Obst.“ Deshalb ist es sinnvoll, auch im Garten auf die Nahrungsansprüche der Wildbienen und anderer Insekten einzugehen und wildblumenfreundlich zu gestalten. Geeignete Mischungen gibt es fertig zu kaufen. Infos im Internet: www.wildbienenschutz.de oder www.naturgartenfreunde.de

Text und Fotos: Carmen Notz / Franz Renner

Hauptbild: Bau von Franz Renner

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