Pfarrer Lackner: "Es fällt mir nicht leicht, Leutkirch zu verlassen"

Leutkirch – Pfarrer Bernhard Lackner verlässt Leutkirch. Ende Oktober sind es 19 Jahre, die er in Leutkirch gelebt und gewirkt hat. SZ-Mitarbeiterin Barbara Rau sprach mit dem 53-Jährigen über Abschied, Erreichtes, Spuren – und übers Radfahren.

Herr Pfarrer Lackner, nach 19 Jahren zu gehen – ist da nicht Wehmut dabei?

Natürlich. Es fällt mir nicht leicht, Leutkirch zu verlassen, weil ich Kirchengemeinde und Stadt sehr schätze.

Und trotzdem gehen Sie?

Ja, denn es gibt Richtlinien der Diözese, die empfehlen, nach zwölf bis 15 Jahren die Pfarrei zu wechseln. Ich halte es auch für gut, nach einer gewissen Zeit zu wechseln. Gut sowohl für den Pfarrer, weil er sich neuen Aufgaben und Herausforderungen widmen kann, als auch für die Gemeinde. Der Wechsel ist eine Chance für eine Gemeinde, sich weiterzuentwickeln.

Hängt der Zeitpunkt zu wechseln auch mit ihrem Alter zusammen?

Sicherlich. Ich habe noch 16 Jahre bis zur Pension – wenn wechseln, dann möglichst jetzt, später würde es schwieriger.

Wer so lange in einer Gemeinde Pfarrer ist, hinterlässt Spuren. Wo sehen Sie Ihre tiefsten?

Ich bekomme derzeit für meine Verhältnisse sehr viele Anfragen für Trauungen, darunter einige von ehemaligen Ministranten. Ich habe vor allem junge Leute und Familien begleiten dürfen, das war eine prägende Zeit für alle.

Was waren für Sie wichtige Projekte in Leutkirch?

Eines habe ich gleich am Anfang umgesetzt. Zusammen mit der Gemeindereferentin Adelheid Eisele und dem Kirchengemeinderat habe ich die Erstkommunionvorbereitung umgestellt. Sie ist seither in die Osterzeit von Palmsonntag bis Ostermontag integriert. Das war schon ein großer Einschnitt damals. Dann gab es einige Bauprojekte: die große Renovation von St. Martin und der Umbau des Kaplaneihauses. Zeitaufwendig, aber für mich besonders spannend, war der Neubau der Krankenhauskapelle. Es war eine tolle Erfahrung für mich, weil ich den gesamten Bau Schritt für Schritt begleiten durfte. Der schöne Gottesdienstraum hat eine hohe architektonische und spirituelle Qualität. Dass ich die Kapelle selbst weihen durfte, anstatt wie üblich der Bischof, ist eine einmalige Erfahrung.

Sie haben neben der Seelsorge für die Leutkircher Pfarrgemeinde auch weitere Aufgaben erfüllt.

Da war einmal der Vorsitz der Stiftung St. Anna – eine schöne Aufgabe. Die Stiftung war anfangs in einer schwierigen Situation. Bei der Sanierung durfte ich ein wenig mithelfen. Eine richtige Erfolgsgeschichte, die möglich war, weil alle, vor allem die Mitarbeiter, mitgezogen haben. Es ist eine Freude, so etwas erleben zu dürfen.

Sieben Jahre waren sie Dekan, der letzte des Dekanats Leutkirch, als aus vier Dekanaten eines, Allgäu/Oberschwaben, wurde. Waren Sie froh, als Sie den Job loshatten?

(Lackner grinst) Ja, man macht es eine Zeit lang gerne, aber dann ist es auch genug. Aber es ist schon interessant, man lernt Pfarreien und Dekane kennen und hat viel Kontakt zum Bischof.

Welchen Schwerpunkt würden Sie gerne auch in der neuen Gemeinde Böfingen-Jungingen setzen?

Die Kirchenmusik. Ich habe als einstiger Oboist im Heeresmusikcorps 10 in Ulm Zugang zur Materie, ich weiß, was ein Bassschlüssel ist (er lächelt). Wir haben in Leutkirch die ganze Bandbreite der Kirchenmusik und mit Franz Günthner einen hervorragenden Kantor, ein Glücksfall. Es ist eine Freude zu erleben, dass Kirchenmusik gedeiht und in Stadt und Gemeinde hineinwirkt. In der nächsten Gemeinde ist es eben etwas kleiner, überschaubarer.

Was nimmt der Privatmann Bernhard Lackner aus Leutkirch mit?

Das Rennradfahren, das habe ich erst in Leutkirch angefangen. Die Ministranten hatten die Idee, im Heiligen Jahr 2000 nach Rom zu radeln. Ich konnte es mir vorher nicht vorstellen, mit dem Rad über einen Alpenpass zu fahren. 2002 und 2003 sind wir dann in zwei Etappen nach Santiago geradelt. Seither fahre ich so viel Rad.

Was wünschen Sie den Leutkirchern und sich selbst zum Abschied?

Es gibt hier im ehrenamtlichen und im hauptberuflichen Bereich sehr aktive und qualifizierte Mitarbeiter, die eigenständig und eigenverantwortlich arbeiten. Ich wünsche ihnen, dass das in der Gemeinde weiter wachsen und gedeihen darf. Ich weiß, dass die Gemeinde in Ulm auf diesem Weg weit fortgeschritten ist. Für mich wünsche ich, dass ich da hineinfinde. Wenn ich da im Team dabei sein darf, macht es mir Freude.

Am Sonntag, 6. Oktober, ist der Abschiedsgottesdienst um 10.15 Uhr in St. Martin, mit anschließender Möglichkeit zur Begegnung vor der Kirche.

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