Rückblick auf einen Costa Rica-Urlaub nach Ausbruch der Pandemie: Am 16. März kippte die Urlaubsstimmung

Leutkirch – Ein junges Paar aus Leutkirch brach Ende Februar auf nach Costa Rica mit Flug über Toronto, Kanada. Geplant war ein Aktiv-Urlaub mit Rucksack zu den schönsten Plätzen und Naturparadiesen des Landes. Ab dem 16. März war es vorbei mit Urlaubsstimmung und weiteren Reiseplänen. Mit sehr viel Glück kamen Simone Tolkmitt und Paul Marks gerade noch aus dem mittelamerikanischen Land und landeten sicher in München. –  Ein Traum erfüllte sich mit der Reise nach Costa Rica (C. R.) ein Land mit Meer, Regenwald, Vulkanen und traumhafter Natur, das Simone und Paul mit Bus, zu Fuß oder mit Mietauto erkunden wollten. Von der Hauptstadt San José ging es zur Halbinsel Nicoya, wo sie an der Küste entlang wanderten, mit Übernachtung in Hostels.

„Costa Rica ist wirklich super schön, das Wetter war herrlich“, berichtet Simone und: „auch der Kontakt mit den Einheimischen war uns wichtig, zu den Touristen-Hotspots wollten wir eher nicht.“ Sie genossen Land und Leute, tropische Pflanzen und Tiere und haben sogar den besonderen Rotaugen-Laubfrosch gesehen.

Im Internet hörten sie dann Anfang März vom Corona-Virus und dass es in C.R. bereits 30 Infizierte gab, was nicht beunruhigt klang. Doch das änderte sich schlagartig. Es war der 16. März, in einem Hostel am Strand, als fast alle Touristen mit zu Hause Kontakt hatten. Allen wurde von Angehörigen dringend geraten, das Land so schnell wie möglich zu verlassen, wegen eventueller Schließung der Grenzen durch eine Corona-Pandemie.

Keiner konnte es glauben

Man besprach sich untereinander im Hostel, die Urlaubsstimmung war einer seltsamen Art von Aufregung und dem „Nicht glauben können was da vor sich geht“ gewichen. „In Costa Rica war absolut nichts zu spüren, nur Sonne, Meer und Erholung pur. Und jetzt sollten wir uns von den Eltern sagen lassen, möglichst schnell nach Hause zu kommen? Diese Frage beschäftigte uns sehr. Wir brauchten Tage, um das zu verarbeiten. Schließlich willigten wir ein, drei Wochen früher als geplant heimzufliegen“, erzählt das Paar.

Natürlich wollten sie noch einige der geplanten Fahrten und Besichtigungen machen. Mit einem Shuttle fuhren sie von Santa Teresa zur Hauptstadt San Jose, um am Flughafen ein Mietauto zu holen und nach Süden zu fahren. Panama wäre auch noch auf dem Plan gestanden, doch diese Grenze war ab 18. März schon zu. Die Bestätigung für den umgebuchten Rückflug kam an, „Corona“ saß im Nacken, Nationalparks hatten bereits geschlossen, das Urlaubs-Feeling war definitiv vorbei.

Hotels und Nationalparks geschlossen

Simone und Paul besuchten Peninsula de Osa an der Pazifikküste. Belohnung für einen üblen Schotterweg war eine wunderschöne einsame Bucht. Hier erfuhr das Paar, dass die Hostels geschlossen haben. Die beiden Leutkircher verpflegten sich selber mit Essen und fanden doch noch eine wunderschöne Unterkunft.

„Anschließend sind wir entlang der Küste Richtung San Jose, über das Gebirge zur Karibikküste. Ein Schild mit „Baden-Bräu“ in einem Bergdorf lockte zur Einkehr. In einem Gasthaus mit Biergarten und deutsch-schweizerischer Küche gab es mit den Wirtsleuten ein selbstgebrautes Bier“, erzählen die beiden Leutkircher. Alle Restaurants waren aufgrund der Pandemie bereits geschlossen.

Gespenstische Szenen

Das letzte Ziel war Cahuita an der Karibikküste mit Übernachtung in einer „Cabina”. Hier wunderten sich die Einheimischen und fragten sie: „Warum seid ihr noch hier?“ Niemand war jedoch unfreundlich, alle hielten sich an den Abstand, die meisten trugen Gesichtsmasken. „Es war gespenstisch, unwirklich, wie sich die ganze Welt auf einen Schlag verändert hatte“, erinnert sich Simone und erzählt vom letzten schönen Urlaubstag mit einem Ritt am Strand entlang, wieder völlig einsam.

Sehr dankbar

Noch eine Nacht im Auto schlafen, Probleme beim online-Check-in, weinende, verzweifelte Menschen am Flughafen. Am 23. März, sieben Tage nach dem Anruf von den Eltern, konnte das Paar Costa Rica verlassen, mit Flug (ohne jede Verpflegung) über Toronto nach München. Zwei Stunden nach ihrem Abflug, genau um Mitternacht schloss der Flughafen in San José bis heute und sie wären wohl immer noch in Costa Rica „gefangen“. Simone und Paul, inzwischen wieder beim online-Studium, sind ihren Eltern sehr dankbar, dass sie die Situation richtig eingeschätzt und ihnen den Flug rechtzeitig umgebucht hatten.

Überglücklich: Foto am Auto in München nach der Ankunft

Ritt am Strand – letzter Urlaubstag, Frosch und Blume in C.R.

Bilder von Privat

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