Sinfonisches Blasorchester Leutkirch im Allgäu begeistert – Eine Schatztruhe musikalischer Kompetenz und ein Mann “Gansch in Rot”

Leutkirch – Zum zweiten Mal konnte man das SBLA (Sinfonisches Blasorchester Leutkirch im Allgäu) in der Festhalle mit allen Sinnen erleben. Optisch ist das imposante Orchester schon ein wahrer Hingucker, 72 Musikanten in unterschiedlich farbenen Heimattrachten  aus Leutkirch und allen Teilgemeinden auf einer riesigen Bühne vor sich zu haben, akustisch ein absoluter Hör- und Hochgenuss,  vom leisesten Ton bis zum vollen Klangkörper der bestens besetzten Register und bei jedem Stück das Gefühl, dass Dirigent Thomas Wolf und seine Musiker mit Herz und Seele ein Konzert der Spitzenklasse bieten möchten und können. Geübt haben sie Monate zuvor, gemeinsam, in Registern und zu Hause. Zuletzt in den Weihnachtsferien, mit namhaften bestellten Dozenten, die den letzten Schliff gaben.

Der Lohn waren nicht nur zwei Mal proppevolle Festhalle mit VIPS aus Stadt und Land, mehreren Vertretern des Blasmusikkreisverbands, Fotografen, TV und Presse, sondern auch viel Beifall, Begeisterung und  standing ovations, die mit dem Leutkircher Festmarsch (zum Stadtjubiläum 2016) beendet wurden.

Es ging um die Elemente und das Bewusstsein, dass ohne sie nichts auf dieser Welt geht. Thomas Wolf hatte entsprechende Kompositionen ausgewählt. Rotes Licht erfüllte die Festhalle zum Thema Feuer – das Werk “Ignition” setzte Energie frei, löste die Anfangsspannung, entlud sich in fulminanten Tönen und schnellen Akkorden. Nach Feuer kommt Wasser – und dazu gibt es kaum ein schöneres Werk als “Die Moldau” von Smetana. Mit außergewöhnlich viel Gefühl und Harmonie gelang es dem Orchester, das kleine Rinnsal zu einem mächtigen Strom werden zu lassen, musikalisch und rhythmisch  liebliche Landschaften oder tosende Stromschnellen zu interpretieren, um den breiten Fluss dann leise in der Ferne verschwinden zu lassen. Die Festhalle dazu in Blautöne getaucht.

Zurücklehnen und von Natur und Urlaub träumen

“I vow to thee my country” – eine Hommage an die Erde, an die Natur, an alles Schöne in ihr, wo der Mensch sich erholen und Kraft tanken kann. In diesen wunderschönen Melodie vereinte sich früher Patriotismus und religiöser Geist, mit dem SBLA wurde es zur Freude für die Seele,  zum “Zurücklehnen und Träumen von Bergen und Tälern, von Sonne, Sommer und glitzernden Seen”, dies Mal in grüner Licht-Aura. Erholung pur, und auch ein etwas langsameres Stück, bevor alle Musiker aufs Höchste gefordert wurden: Der Mensch im Mittelpunkt – der Musiker hochkonzentriert: Es folgte “Traveler”, eines der schwierigsten Stücke für sinfonisches Blasorchester. Eine Herausforderung für Dirigent und Orchester oder wie Thomas Wolf es formulierte: Hier kommt alles in Einsatz, was an Instrumenten da ist und alles, was man mit ihnen machen kann. Das sechsköpfige Percussion-Team hatte alle zehn Hände voll zu tun und wechselte in rasender Geschwindigkeit zwischen den Instrumenten.

Blech und Holzinstrumente meisterten ihre Parts der teils mit hochkomplexer Technik komponierten “Lebensgeschichte”, die hier von Komponist David Maslanka dargestellt wird. Der Mensch – ein Reisender, innerlich und äußerlich, von der Kindheit über die wilden und vor Energie strotzenden Jahre, in zackigem Tempo wird jede Hürde genommen, es geht mal drunter und drüber, bis der Mensch (das Stück) langsam in ruhigere Fahrwasser kommt, die Musikanten ein wenig durchschnaufen können und schließlich in choralen Klängen von J.S. Bach das Stück ausklingen, ausleben lassen.  Pause –  zum Durchschnaufen – auch fürs Publikum, nach diesem grandiosen Werk und Hauptstück des Konzertabends.

Gedenken mit Abendmond – dann kommt Solist Thomas Gansch

Fast andächtig, fast liebevoll wird mit dem Stück Abendmond der 2. Teil eröffnet, auch zum Gedenken und in Erinnerung an zwei verstorbene Musikerinnen des SBLA – eine ehrende Geste des Orchesters. Dann kommt er  – die rote Gefahr? Nein – Thomas Gansch – ganz in rot und dann legt er genauso los. Kraftvoll, feurig, rasant – ein Meister seines Instruments – der Trompete, in jeder Form, in jedem Musikstil und besonders beim Jazz – das ist seine Welt und er spielt die Welt von “Fancy Vienna”, zusammen mit dem Orchester, erst Harmonie pur, dann entladet sich ein Jazz-Feuerwerk, viel Energie wird frei.

Und es sind drei Thomas gegenwärtig: Dirigent, Trompeter und der Komponist Thomas Doss, der hier “sein Wien”, die Stadt der Gegensätze, beschreibt. Danach: Gegenseitige Hochachtung – Allgäuer Dirigent von sechs Orchestern und weltbekannter Solist. Die gemeinsamen Proben waren erfrischend  für Thomas und Thomas – die beiden sind spürbar auf der gleichen Wellenlänge und waren nach den Proben zusammen noch im Kino!  Es passte alles- top!

Beifall für alle, von allen, für jeden

Thomas Gansch brilliert mit “Concerto for Trumpet” und jagd nicht nur seinen eigenen Puls hoch, sondern auch die Begeisterung des Publikums. Das Orchester perfekt in Form, von wegen “nur” Blasmusik, die 72 Musiker haben den “Feinschliff”  drauf und sind ganz bei ihrem Solisten in Rot, der den Ton und den Rhythmus vorgibt – bis in den Trompetenhimmel hinein. Tosender Beifall von allen – für alle auf der Bühne, von jedem – für jeden einzelnen.

Zum Schluss eine musikalische Huldigung für alle Helden der Welt und für alles Gute und Mutige. Ein Stück, das dieses zweite SBLA Konzert wunderbar und sehr passend abschließt: Alle waren heute Helden, das ganze Orchester, darunter erfreulich viele junge Gesichter, Frauen und Männer gemischt. Sie waren mutig, haben die musikalischen Herausforderung angenommen und weit mehr als “das Machbare” gezeigt, gespielt, gelebt.  “Ich ziehe den Hut”, sagte Dirigent Thomas Wolf aus Unterzeil zu den Musikern, sichtlich erleichtert und sehr stolz auf sein Orchester und dass ER es leiten darf. Darum sei er auch immer so gut gelaunt, meint er. Schöner könne das Jahr nicht beginnen. Seine Art ist so locker und leger und so schön schwäbisch-allgäuerisch normal.

SBLA-Organisator Luis Lau, der die Gäste begrüßte hatte und auch das SBLA für seinen zweiten Auftritt in Zahlen erläuterte (z.B. Mehr als 1000 Notenkopien, etliche qm Pizza….)  sprach viele Dankesworte an Stadt und Einrichtungen, an die Sponsoren und Helfer, an die Dozenten und Musiker und an alle, die mitgewirkt haben und das SBLA unterstützen, damit dieses Konzert stattfinden konnte. Wolfgang Nägele von der Stadtkapelle Leutkirch (und SBLA) war voll des Lobes über dieses Konzert, die Leistung der Musiker, Dirigenten und das Erlebnis “Thomas Gansch – ganzschööön! – Vielleicht gibt es 2019 das dritte Konzert des SBLA – Musiker, Sponsoren – jeder darf sich angesprochen fühlen.

Text und Bilder: Carmen Notz

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