„Sucht ist eine Krankheit, die jeden treffen kann“

Leutkirch – Es ist kein angenehmer Gedenktag, den Beate Stör vom Elternkreis Suchtgefährdeter und Suchtkranker sich da für ihren Stand auf dem Leutkircher Wochenmarkt ausgesucht hat. Um Überdosierung und Drogentote geht es beim International Overdose Awareness Day, der am 31. August von einem deutschlandweiten Aktionsbündnis begangen wird. Für Beate Stör geht es aber noch um mehr. „Es geht darum zu zeigen, dass Suchtkranke keine minderwertigen Menschen sind. Diese Stigmatisierung und Diskriminierung der Betroffenen und auch der Angehörigen macht alles noch schwerer“, sagt sie.

Deshalb hat die Leutkircherin ihren Marktstand auch mit einer „Wert-Vorstellung“ der Partnerschaft für Demokratie Leutkirch-Aichstetten-Aitrach verknüpft. Bei der Aktionsreihe von „Demokratie leben!“ wird dazu eingeladen, für seine Werte öffentlich einzutreten. Zuwendung, Unterstützung, Hilfsbereitschaft, Solidarität, Fürsorge und Achtsamkeit hat Beate Stör sich dabei aufgeschrieben.

„Mir ist ganz wichtig, dass in den Köpfen ankommt, dass Sucht eine Krankheit ist, die jeden treffen kann. Und dass es Wege gibt, damit umzugehen, ohne alle als kriminell abzustempeln“, sagt sie. Stör ist davon überzeugt, dass es auch in Leutkirch viel mehr Betroffene und Angehörige gibt, als allgemein bekannt. „Die Kriminalisierung bewirkt, dass ganz viel unter den Teppich gekehrt wird“, sagt sie. Dabei trete sie nicht für eine Legalisierung von Drogen ein, aber für Schadensminimierung. Denn es gebe eben Betroffene, die nicht mehr von der Sucht loskämen – und auch die hätten ein Recht auf Menschenwürde.

Deshalb versucht Stör im Elternkreis, den Angehörigen von Betroffenen zu helfen. Eben ganz im Sinne der Werte, die sie auf dem Leutkircher Markt vertritt. „Die Zuwendung und Unterstützung sind ganz wichtig, weil man sich in der Situation völlig allein gelassen fühlt“, sagt Beate Stör. Wichtig seien aber auch die Offenheit innerhalb des Elternkreises und zugleich die Vertraulichkeit nach außen. „Es geht darum zu ermutigen, die Eltern sollen merken, dass sie keine soziale Randgruppe und vor allem nicht schuld an dem Verhalten ihrer Kinder sind“, erklärt die Leutkircherin. Dabei sei der Elternkreis natürlich keine Suchtberatung, für diese Aufgabe würde an Fachleute verwiesen. Aber die gegenseitige Unterstützung ist eben auch ein Wert an sich.

Zusatz-Info zu den Wert-Vorstellungen:

Über Werte wird gerade angesichts der Corona-Pandemie viel diskutiert. Deshalb lädt die Partnerschaft für Demokratie Leutkirch-Aichstetten-Aitrach zur Aktionsreihe „Wert-Vorstellungen“ ein. Vereine, Institutionen, Firmen und engagierte Bürgerinnen und Bürger sind zu öffentlichen Präsentationen aufgerufen. Wie bei einem Staffellauf soll dann öffentlich mithilfe eines Demokratie-Banners gezeigt werden, was den Teilnehmenden wirklich wichtig ist. Dabei sei es egal, in welchem Rahmen das geschehe, so die Organisatoren. Lediglich ein entsprechender Pressetext nebst Foto sei obligatorisch. Aus der Aktionsreihe soll schließlich eine Wanderausstellung entstehen.

Wer das Demokratie-Banner für eine Wert-Vorstellung ausleihen möchte, kann sich bei Maria Hönig von der Koordinierungs- und Fachstelle von „Demokratie leben!“ per E-Mail an maria.hoenig@stiftung-st-anna.de oder per Telefon unter 0151 – 750 627 91 melden. Die Partnerschaft für Demokratie Leutkirch-Aichstetten-Aitrach wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Bildtext: Beate Stör (links) hat auf dem Leutkircher Wochenmarkt am International Overdose Awareness Day auf die Gefahren von Überdosierung aufmerksam gemacht. Foto: Stiftung St. Anna

Wert-Vorstellung von Beate Stör vom Elternkreis Suchtgefährdeter und Suchtkranker.

Kontakt bei Rückfragen: Hannah Keil (Partnerschaft für Demokratie Leutkirch-Aichstetten-Aitrach)

 

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