Talk im Bock greift in der Ukraine-Krise aktuelles Thema auf: Traumaforscherin zu Gast

Leutkirch – Psychologie-Professorin Maggie Schauer befasst sich mit komplexen Traumatisierungen. Sie arbeitet mit Kindern und Erwachsenen nach Gewalterfahrungen, derzeit vor allem mit Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine nach Deutschland geflüchtet sind. Am kommenden Montag, 19.30 Uhr, ist sie im Leutkircher Bocksaal Gesprächspartnerin von Moderatorin Nina Poelchau beim Talk im Bock.

Was brauchen die Menschen, die schwer und mehrfach traumatisiert aus der Ukraine oder anderen Kriegsgebieten zu uns kommen? Kaum jemand weiß das besser als Maggie Schauer. Sie ist eine der führenden Expertinnen in Deutschland für Traumaforschung und Traumabehandlung. Als Privatdozentin und habilitiertes Mitglied der Professor*innen der Universität Konstanz war sie Jahrzehnte lang Leiterin des Kompetenzzentrums „Psychotraumatologie“ im Zentrum für Psychiatrie Reichenau. Aktuell organisiert sie im Projekt „Furchtlos“ der Universität Konstanz und des Vereins vivo international e. V. psychologische Hilfen für aus der Ukraine Geflüchtete, aber auch für alle, die sich um die Geflüchteten kümmern.

Psychologen gehen nach Maggie Schauers Erkenntnissen davon aus, dass es in der Ukraine bereits vor dem Krieg 12 bis 20 Prozent posttraumatische Belastungsstörungen in der Bevölkerung gab. Das bedeutet, dass viele Kinder bereits mit vortraumatisierten Eltern aufwachsen. Solche mehrfachen Traumata, die sich überlagerten, seien besonders schwierig zu therapieren. Wichtig nach der Flucht seien soziale Unterstützung und Vernetzung der traumatisierten Personen in ihrer neuen Umgebung.

Schauer war für „Ärzte ohne Grenzen“ und andere Hilfsorganisationen in Uganda, Sri Lanka, Somalia und DR Kongo im Einsatz. In der Medizinpsychologie arbeitete sie mit gelähmten Menschen, als klinische Psychologin betreute sie Geflüchtete und Folteropfer. Sie bildete Hunderte Krisenhelferinnen und Therapeuten aus. Sie forscht zu multipler und komplexer Traumatisierung sowie zu transgenerationalen Folgen von Gewalt und Vernachlässigung.

Talk-im-Bock-Moderatorin Nina Poelchau, lange Jahre stern-Reporterin, ist selbst in Krisenbegleitung und Gesprächstherapie ausgebildet und hat in Hamburg über Jahre mit Geflüchteten gearbeitet.  Wie sich eine Traumatisierung zeigt, wann eine Behandlung nötig ist, was die Menschen brauchen, die jetzt aus der Ukraine zu uns kommen und wie Fachleute aber auch Nicht-Fachleute diesen Menschen zur Seite stehen können – darüber spricht Nina Poelchau mit Maggie Schauer.

Beginn: Montag, 30. Mai, 19.30 Uhr, Bocksaal Leutkirch (Gänsbühl 9). Einlass ab 18.30 Uhr. Eintritt frei. Musik: Just Friends.

www.talkimbock.de

Volkshochschule Leutkirch e. V. – Pressemitteilung

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