Taxifahrer sind trotz Corona unentbehrlich – Krankenfahrten anfangs ohne Gesichtsmasken – Trennwände werden eingebaut

Leutkirch – In der Serie „Helden des Alltags“ während der Corona-Pandemie geht es auch um die Taxi-Branche, in der Fahrer täglich ein nicht geringes Risiko tragen, um unentbehrliche Fahrten zu erledigen. Die Ansteckungsgefahr herrscht auf beiden Seiten, vor allem beim Transport von kranken oder behinderten Menschen, die selber zur Risikogruppe gehören. Andererseits wissen die Taxifahrer oft nicht, was für Kunden bei ihnen einsteigen, wo diese herkommen, mit wem sie Kontakt hatten, z.B. bei der Abholung am Bahnhof. Die Taxibranche deckt ein breites Spektrum ab, die Ansteckungsgefahr lauert sozusagen überall. Ob Patienten vom Krankenhaus oder vom Arzt, von der Dialyse, Chemo oder Bestrahlung kommen, ob Gäste aus dem Fernverkehr, u.a. die Regio-Fahrten (abendliche Busersatzfahrten) oder von Unternehmen abgeholt werden müssen, beide Seiten, Fahrer und Fahrgast sind gefährdet.

Beim Taxiunternehmen Böhm arbeiten rund 35 Taxifahrer, darunter überwiegend Teilzeit-Beschäftigte und Rentner. Als Mitte März der Shut-down begann, brach für das Leutkircher Taxiunternehmen innerhalb von drei Tagen ein Großteil der Fahrten weg und etliche Mitarbeiter konnten nicht mehr beschäftigt werden. Rentner gehören oft selbst zur Risikogruppe, so wie der fast 70-jährige Rolf Pippirs: „Anfangs hab ich mir noch nichts gedacht bei meinen Fahrten, doch mein Hausarzt sowie die Familie überzeugten mich, wegen der Ansteckungsgefahr eine Auszeit zu nehmen. Ich bin chronisch vorbelastet und diese Vorsichtsmaßnahme ist sinnvoll.“ Dankbar ist er für das Verständnis von Steffen Böhm, der andererseits derzeit nicht mehr alle Fahrer einsetzen kann. Ein weiterer Fahrer hat eine krebskranke Ehefrau und wollte vorerst auch eine Pause einlegen.

Nur noch ein Fahrgast rechts hinten

Obwohl es im März weder Gesichtsmasken für Unternehmen gab, noch irgendwelche Vorgaben vom Landratsamt für die Taxi-Branche, wurde Steffen Böhm sofort tätig. Täglich wurden die Fahrzeuge gereinigt, alle Touch-Flächen, Lenkrad und Griffe desinfiziert, die Fahrer wurden angewiesen, alle Fahrgäste nur noch rechts hinten zu platzieren, Abstand einzuhalten und sich nach jeder Fahrt die Hände zu desinfizieren. Ein kleines Fläschchen ist im Taxi deponiert. Inzwischen wird nur noch ein Fahrgast transportiert, auch die Krankenkasse akzeptiert dies bei Krankenfahrten während der Corona-Pandemie.

Der nebenberufliche Taxifahrer Matthias Ostrowski hat über sein Geschäft sogar Gesichtsmasken für Taxi Böhm besorgt. Steffen Böhm wartet bereits die 5. Woche auf die bestellte Lieferung. Für einen Teil seiner zwölf Fahrzeuge hat er Plexiglas-Scheiben bestellt, die demnächst kommen und die er dann hinter den Vordersitzen einbaut. „Uns allen war erst nach und nach bewusst, was für ein Risiko für Fahrgäste und Fahrer besteht und wir sind froh, wenn die Vorsichtsmaßnahmen greifen. Als Helden sehen wir uns nicht, wir machen einfach unseren Job“, sagt Steffen Böhm.

Isabella, eine Frau aus Leutkirch, die seit 24 Jahren auf den Rollstuhl und damit auch auf Taxifahrten angewiesen ist, fühlt sich bei Taxifahrten sicher und gut aufgehoben. „Alle passen aufeinander auf und sind sehr rücksichtsvoll“, meint sie. Ein 76-jähriger Dialyse-Patient aus Leutkirch findet die Maßnahmen richtig und wichtig. Er hat keine Angst, sich bei Taxifahrten anzustecken.

Teilzeit-Fahrer Walter Herter ist Rentner und fährt nach wie vor Taxi. Er hat wenig Bedenken vor einer Ansteckung, hält die Abstandsregeln ein und desinfiziert regelmäßig. Eine Teilzeitkraft hat am 1. März bei Taxi Böhm angefangen und kam gleich in die „Corona-Krise“. Als gelernte Lkw-Fahrerin ist sie kaum besorgt und erledigt alle Fahrten souverän.

Übrigens: In der 2. Aprilwoche kam ein Schreiben vom Landratsamt über Maßnahmen bei Taxifahrten zum Schutz von Fahrer und Fahrgast. Auf die große Lieferung Schutzmasken wartet Steffen Böhm noch heute.

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