Voller Erfolg: Der erste internationale Frauentag stößt auf große Resonanz – bei Besucher- und Veranstalterinnen

Leutkirch – Ein paar Stühle hätte es noch gegeben, aber die 80 Plätze im Bocksaal waren am Samstagmorgen bereits gut belegt als Christina Schnitzler „zum internationalen Frauentag, der früher Tag der Frauenrechte und des Weltfriedens geheißen hat“ begrüßte. Zum Frauenfrühstück war geladen worden, am Eingang wies ein Schild auf den exklusiven Kreis der Eingeladenen hin – „Geschlossene Gesellschaft – nur für Frauen“. Die Bilder der Kunst-Mitmachaktion vom Vortag standen teils auf, teils neben der Bühne. Die Bürgermeisterin kam gleich zum Punkt. Einmischen sei angesagt angesichts dieses Tages und wählen gehen sowieso. Schnitzler gab zu „als Frau manche Dinge ganz anders zu sehen als der Oberbürgermeister, was oft zu fruchtbaren Diskussionen zwischen uns führt“. Eingeladen hatten unter anderem die Integrationsbeauftragte der Stadt Leutkirch, Anita Mutvar, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Sabine Fietz, der katholische Frauenbund und die Kunstschule Sauterleute sowie Mosaik e.V..

„Schön wäre es“, so Schnitzler weiter, „wenn wir diesen Tag nicht mehr brauchen würden, denn Ungleichheit ist nicht gut.“ Über Ungleichheit sprach dann auch Kerstin Hopfensitz, die die Geschichte der Frauen in den letzten 100 Jahren beleuchtete und zwar anhand von Mode. „Den Status der Familie“, so die Kulturwissenschaftlerin, „wollte man mit Mode früher zeigen, so wie wir das heute mit Autos tun.“ 12-Kilo-schwere Ausgehkleider hatte sie dabei sowie Korsette, Unterhosen und -röcke. „Um sich zu verändern, mussten die Frauen körperlich mobil sein, das waren sie mit diesen Kleidern aber nicht.“ Dass die paar Jahre um den Ersten Weltkrieg herum reichten, eine gesellschaftliche Änderung herbeizuführen sei an der Mode deutlich zu sehen. Und ist heute noch erstaunlich. Dass das Frauenwahlrecht in diese Zeit fiel, weniger. Sie half, den Blick auf aktuelle Modedebatten zu richten. Allein die Tatsache, dass zwei Ministerinnen im Jahr 2018 ein fast identisches blaues Kostüm bei der Amtseinführung trugen, sei vielen Blättern eine seitengroße Erwähnung wert gewesen. „Um politische Inhalte“, so die Kulturwissenschaftlerin, „ ist es dabei nicht gegangen.“

Nachmittags war in der Kunstschule Sauterleute wieder „Geschlossene Gesellschaft“ und wieder herrschte volles Haus. Noch einmal ging es um Mode, eine „internationale Frauen-Modenschau“ war angekündigt. Unter dem Titel „Funktion & Status“ präsentierten Frauen unterschiedlichster Kulturen und Nationen landestypische Kleidung, moderiert von Ayse Celik. Traditionelle türkische Verlobungskleider wurden ebenso vorgeführt wie Hochzeitsroben von Syrerinnen oder afrikanische Festtagskleidung. Auch einer türkischen Henna-Zeremonie, die traditionell vor der Hochzeit mit Freundinnen durchgeführt wird, durften die anwesenden Frauen beiwohnen. Und die Ergebnisse der Kunstschule, in der in diversen Aktionen auch das Thema Mode aufgegriffen worden war, kamen „auf den Laufsteg“. Dabei durften Frauen aus dem Publikum gezeichnete Modelle anlegen, weibliche Kleidungsstücke aller Art wurden als skulpturenartige Arbeiten vorgeführt.

Nebenbei wurden allerhand deutsche, syrische und türkische Leckereien geboten. Am Ende gab es jede Menge Applaus und Dank für – wie Elisabeth Sauterleute treffend meinte – eine „wirklich fruchtbare Zusammenarbeit“.

Text + Fotos. C. King

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