Beste Laune bei „Verstehen Sie Brass?“ – Sieben reinrassige Brassmusiker ziehen alle Komik-Register

Leutkirch – Selten so gelacht, haben wohl viele gedacht, die sich am Sonntagabend im Kurhaus in Bad Wurzach beim neuen Programm des Ensembles „Verstehen Sie Brass?“ aus dem Raum Leutkirch köstlich amüsierten. Spitzen-Blasmusik mit Brass-Sound, schrille und schräge Töne, südländischer Charme und mehrstimmiger Gesang wurde garniert mit akrobatisch-sportlichem Fußball, Wortspielereien und vielsagenden Grimassen. „Zungenkuss“ heißt die erste CD der sieben kreativen Musiker und dieser „Kuss“ wurde vor und während dem Spielen auf mindestens zwei Instrumenten pro Musiker genüsslich präsentiert. Drei kurzweilige Stunden lang war das Publikum in eine andere Welt versetzt, die des reinrassigen, gutaussehenden, kultivierten Blechblasmusikers, der gut und alles riecht und dem alles schmeckt, nur nichts Alkoholfreies.

„Als mir no Buaba waret“ hieß das Programm und die flotten Sieben stellten Szenen aus Kindheit und Jugend nach, mit wenigen Worten, aber viel Mimik, zeigten hohe musikalische Qualitäten oder auch nicht so tolle Eigenschaften. Jeder ist mal gefeierter Solist, brilliert im Duo oder Trio, ist mal Star oder einfach nur „der Dumme“. Selbstironie schadet nie und so spielen die sieben reinrassigen Allgäuer Buben sich selber: Thomas und Christian Wolf aus Unterzeil, Manfred und Dietmar Schuhmacher aus Willerazhofen, Florian Weder aus Reichenhofen, Manuel Haag aus Diepoldshofen und Michael Langegger aus Aichstetten.

Vollbremsung und Fußballprofis

Das erste Mal ist nie leicht: Vorspielen bei der Oma, die erste Musikprobe, der erste Zungenkuss – am Mundstück der Trompete oder Posaune. Schmissige Polkas und Märsche, mal im rasenden Tempo, dann mit Vollbremsung und Übergang zum Walzer mit leichtem Schunkelcharakter wurden ebenso mühelos präsentiert, wie ein Fußball-Training mit Schiri, der immer genau wusste, wohin der Ball rollte. Der fliegende Torwart samt Helfer bekam Beifallsstürme – es war zirkusreif.

Kuba und Kelly-Familiy

Charmanter Auftritt im Stil der 1920-er: Manuel Haag mit Zylinder und Gesang, und ein Cuba für die Tuba. Apropos Tuba – was Michael Langegger an seinem Bierkastenschweren Instrument melodisch hervorbrachte, ließ den Atem anhalten. Die Musikkameraden hatten wenig Lob und sangen: „Mein Gott, Lange“. Überhaupt waren die gesanglichen Qualitäten der Jungs bemerkenswert. Ob schmachtendes Liebeslied oder eine Parodie mit blonder Perücke auf ANGELO von der Kelly-Family – Brassmusiker können eben alles, auch italienisch, obwohl die meisten eine schwere Kindheit hatten, oder gar keine. Manche hatten den Durchbruch geschafft, wenn auch nur durch die Glaswand der Dusche.

Hohe Tannen und hohes Tempo

Das Ensembles überzeugte mit musikalischer Qualität, galoppierte durch unterschiedliche Musikstile, brachte vollen Sound auf die Bühne. Requisiten brauchten sie kaum, doch plötzlich: grüne Tannen schieben sich daher, ein Wildschwein aus Pappe lungert herum: Das Böhmerwaldlied kombiniert mit dem Popsong „Sexbomb“ lässt sich hören. Dagegen wird dem Star-Solisten von „My Way“ (Sinatra) das Mundstück weggenommen. Richtig falsch Spielen ist auch eine Kunst.

Musiker glänzen an Instrumenten ohne Glanz

In schräger Aufmachung oder Opa’s Anzügen fühlen sich die Brass-Musiker wohl, haben Wortwitz, Situationskomik und sogar Beatbox drauf. „Verstehen Sie Brass?“ ist nicht einfach einzuordnen. Sie sind von allem ein bisschen, vor allem geniale Musiker, sind „sauguad“ drauf, an Instrumenten ohne Glanz, aber mit viel Sound und Puste. Thomas Wolf arrangiert die meisten Titel für die rund 15 Instrumente, die in Einsatz kommen. Die „Sieben auf einen Streich“ spielen oder dirigieren in mindestens zwei Kapellen der Region und hatten 2018 noch Zeit und Lust, ihre erste CD „Zungenkuss“ aufzunehmen. Und mit diesen 14 Männerlippen klappt nicht nur der Zungenkuss, sondern auch eine unvergessliche Musik-Comedy-Show, die im Kurhaus mit dem wunderschönen Gabriella’s Song endet.

Info: Die CD ist bei jedem Musiker erhältlich;  www.verstehen-sie-brass.de

Text und Bilder: Carmen Notz

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