Holznutzung ist Klimaschutz – Waldbegehung des Gemeinderats

Leutkirch – Vergangene Woche traf sich der Leutkircher Gemeinderat zur Waldbegehung im Leutkircher Stadtwald. Stadtförster Karl-Josef Martin und der stellvertretende Leiter des Forstamts Ravensburg, Stefan Laur, führten den Gemeinderat zu interessanten Stellen im Unteren Stadtwald im Bereich zwischen Waldfriedhof und Pfingstweide.

Wald ist Klimaschützer

Der Gemeinderat machte während der Waldbegehung auf die Aktion „Wald ist Klimaschützer“ aufmerksam. Eine Informationskampagne des Verbands „Familienbetriebe Land und Forst (FABLF)“ und der AGDW – Arbeitsgemeinschaft der Waldeigentümer, die gemeinsam mit 2 Millionen Waldbesitzenden auf die Klimaschutzleistungen des Waldes aufmerksam macht. Das Ziel der Initiative ist eine gerechte CO2-Bepreisung der Klimaschutzleistungen des deutschen Waldes. Mit Schildern, auf denen eine „8“ zu sehen ist, machten die Räte darauf aufmerksam, dass ein Hektar Wald jährlich acht Tonnen CO2 bindet. Das entspricht dem jährlichen CO2-Ausstoß pro Kopf in Deutschland.

Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle verwies darauf, dass die Speicherfunktion im sehr wüchsigen Leutkircher Stadtwald deutlich über den 8 Tonnen CO² / ha liegt und dass mit der Holzverwendung beim Bauen CO² über viele Jahrzehnte gespeichert wird und dies ein sehr wichtiger Beitrag zum Klimaschutz ist.

Stadtwald Leutkirch ist größter Kommunalwald im Landkreis

Insgesamt hat der Leutkircher Stadtwald rund 870 Hektar Betriebsfläche. Leutkirch ist damit der größte kommunale Waldbesitzer im Landkreis. Im Mittelpunkt der Führung standen forstliche Themen, wie die jüngsten Sturmereignisse, Schäden durch Schneebruch und der Borkenkäfer. Diese Kalamitäten hatten großen Einfluss auf die Waldentwicklung der letzten Jahre. So erfuhren die Räte, dass im Leutkircher Stadtwald etwa 62 % Fichten oder Tannen und etwa 38 % Laubholz zu finden sind. Etwa 577 Hektar der Bestände sind zwischen einem und 60 Jahren alt, etwa 243 Hektar sind zwischen 61 und 150 Jahren alt.

Im Jahr 2020 wurden im Stadtwald insgesamt rund 10.650 Festmeter (Fm) Holz eingeschlagen. Fast 10.000 Fm „Sturmholz“ fielen durch die beiden Sturmtiefs Sabine und Bianka an. Im Gegensatz zu vielen Regionen in Deutschland blieb das Allgäu dank ausreichender Niederschläge und gemäßigter Durchschnittstemperaturen von Käferkalamitäten weitgehend verschont. Das enorme Holzaufkommen in Deutschland führte aber auch bei uns zu einem starken preislichen Einbruch auf den Holzmärkten.

Geplant waren 2020 im Stadtwald umfangreiche Erstdurchforstungen mit geringen Erlösen. Durch den hohen Sturmholzanteil, überwiegend im Bereich stärkerer Dimensionen, konnte letztlich trotz angespannter Holzmärkte ein positives Ergebnis von rund 95.000 Euro erwirtschaftet werden. Bedacht werden hierbei muss jedoch, dass dieses Ergebnis sturmwurfbedingt mit einem erheblichen Substanzverlust im Leutkircher Stadtwald einherging.

Bei der Haushaltsplanausarbeitung für 2021 gingen die Förster von durchschnittlichen Holzerlösen von 40 Euro je Fm aus. Diese Erlössituation hat sich zwischenzeitlich grundlegend geändert. So erschloss sich die Sägeindustrie für die großen Mengen an Käferholz Absatzmärkte in USA und China. Gleichzeitig zog auch der inländische Bausektor mit verstärkter Holznachfrage kräftig an, so dass Holz zwischenzeitlich zu einem knappen Gut wurde. Anfang 2021 lagen Preise bei etwa 70 Euro je Fm, die sich zwischenzeitlich auf rund 110 Euro je Fm Fichtenstammholz gesteigert haben. Diese Preiserholung wird sich positiv für den Haushalt 2021 auswirken.

2021 wurde ein umfangreiches Jungkulturprogramm durch Pflanzungen durchgeführt. Auf acht Hektar wurden fast 20.000 Bäume angepflanzt. In Abhängigkeit von Standort und mit Blick auf die klimatische Entwicklung wurden vor allem Weißtanne, Douglasie, Birke, Lärche, Eiche, Erle, Bergahorn gepflanzt.

Neben den wirtschaftlichen Faktoren hat der Stadtwald zahlreiche weitere, nicht in Euro und Cent zu beziffernden Funktionen, wie zum Beispiel für die Naherholung, die CO2-Speicherung, den Naturschutz, die Wasserspeicherfunktion und die Luftreinhaltung, führte Förster Martin aus. Besonders über die Pandemiezeit hinweg wurde der Stadtwald überdurchschnittlich stark von Besuchern zu Entspannung und Ausgleich wegen pandemiebedingter Einschränkungen frequentiert. Der Waldsportpfad im Oberen Stadtwald wird über die gesamte Saison unterhalten, mangels Arbeitskräften weist dieser derzeit jedoch einige Defizite auf, welche diesen Sommer behoben werden sollen.

Bildunterschrift: Ein Hektar Wald bindet jährlich 8 Tonnen CO2 – darauf machen die Leutkircher Gemeinderäte mit OB Hans-Jörg Henle und Förster Karl-Josef Martin aufmerksam.

Text/Fotos: Stadt Leutkirch

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