"Zuerst kommt die Musik und dann lang nix"

Willerazhofen rüstet sich zum Jubiläum: „Feste wie diese“ heißt es vom 12. bis 15. September, wenn die Musikkapelle ihr 90-jähriges Bestehen feiert. Vier Tage Programm mit Disco, viel Blasmusik im Festzelt, mit Gastkapellen, Kinderprogramm, dem Cup der Vereine, mit Gesamtchor und einem großen Festumzug warten auf Teilnehmer und Besucher beim Jubiläums-Musikfest in der Leutkircher Teilgemeinde. Gleich zum Auftakt, am Donnerstagabend, sollen Peter Schad und seine Oberschwäbischen Dorfmusikanten für einen ersten Höhepunkt sorgen.

Seenachtsfest des Marinevereins Wangen, Kinderfestumzug in Leutkirch, Blutfreitag in Bad Wurzach, Beerdigungen, Kirchenfeste, Erstkommunion, Musikbälle, Standkonzerte, Herbstfeste, Wertungsspiele, Schnurranten, Fasnetsumzüge – die Liste der Anlässe ist lang, bei denen die Musikanten aus Willerazhofen für den guten Ton sorgten. Seit 90 Jahren besteht die Kapelle, 58 Mitglieder zählt sie heute, Qualität und Quantität stimmen, Nachwuchssorgen gibt es keine.

Es ging stetig bergauf

Das sagen drei Männer, die es wissen müssen: Martin Bareth, seit 1961 Mitglied, 22 Jahre lang Vorsitzender der Musikkapelle Willerazhofen, Rupert Waizenegger, seit 1962 aktiv, 26 Jahre Dirigent und Vize-Dirigent, und Georg Reich, ebenfalls seit 1962 dabei und 30 Jahre lang Ausschussmitglied. „Wenn man zurückdenkt und sieht, was der Verein für eine Entwicklung genommen hat, macht einen das schon stolz“, sagt Georg Reich. „Es ist stetig bergauf gegangen.“

Ein Aufstieg, der sich mit Zahlen belegen lässt: „1962 hatte die Kapelle 17 Leute, 1973, beim 50-Jahr-Jubiläum, waren es bereits 40“, rechnet Bareth vor. „Alles was laufen konnte, hat damals zur Musik müssen“. Heute ist man nicht nur bestens besetzt, sogar mit einem kompletten sechsköpfigen Saxofonsatz, sondern hat auch eine junge Vorstandschaft. „Die sind topfit“, sagen die drei Senioren stolz. Und auch der Nachwuchs ist vorhanden, „zum Teil selbst gemacht“, wie Bareth schmunzelnd sagt. Will heißen, die Musikbegeisterung von Vater oder Mutter hat sich längst auf die nächste Generation aktiver Musikanten übertragen.

Apropos Musikbegeisterung: Die räumen auch die drei dienstältesten Kapellenmitglieder, die bereits im Frühjahr beim Jubiläumskonzert für ihre Verdienste geehrt wurden, unumwunden ein. „Zuerst kommt die Musik und dann lang nix“, sagt Martin Bareth, und Rupert Waizenegger und Georg Reich nicken zustimmend. Einig sind sie sich auch darin, dass sie sich in ihrem Alter „ranhalten muss, um mit den Jungen mithalten zu können“, wie Reich sagt. Die nämlich hätten heute eine ganz andere, weit bessere musikalische Ausbildung. „Drei bis vier Jahre dauert’s normalerweise schon, bis sie in die Kapelle aufgenommen werden.“ Für die Altgedienten heißt das, nicht nur jeden Freitagabend die Musikprobe zu besuchen, sondern auch fleißig zuhause Bariton, Bass und Trompete zu üben. „Das Repertoire ist schwerer geworden“, findet Georg Reich. „Es verlangt mehr Leistung und Disziplin.“

Regelmäßig Bestnoten

Dank einer Reihe engagierter Dirigenten – von Franz Gaile über Albert Pfahl, Rupert Waizenegger (der als gerade mal 20-Jähriger 1971 den Dirigentenstab übernahm) oder Musikdirektor Manfred Munz aus Leutkirch spielen die Willerazhofener bei Wertungsspielen längst in der Oberstufe. Erich Steiner, seit 1994 Dirigent, hat das Niveau seiner Musiker noch weiter gesteigert – und heimst mit ihnen zusammen regelmäßig Bestnoten ein. „Wir sind nett zu unseren Dirigenten“, erklären die Drei den Umstand, dass diese ihrer Kapelle immer lange die Treue halten.

Frauen gibt es bei der Musikkapelle Willerazhofen im Übrigen erst seit 1970. „Am Anfang waren es grade mal vier“, sagt Martin Bareth und blättert im dicken Fotoalbum. Heute dagegen stellen Frauen etwa die Hälfte der Kapelle, und 1989 immerhin bekamen sie erstmals eine komplette Damentracht gestellt. Doch ganz gleich, ob Männer oder Frauen, Junge oder Alte: Die Willerazhofener scheinen allesamt eng verbunden mit ihrer Kapelle. „Wir haben keinen Sportverein hier, man geht halt zur Musik“, sagt Bareth. Und bleibt dabei, selbst wenn man irgendwann mal aus dem 300-Einwohner-Dorf wegzieht. Es stimme schon, bestätigen Bareth, Waizenegger und Reich, was ein früherer Ausbilder einmal so ausgedrückt hat: „Wenn sie die Bundeswehr und die erste Freundin überstanden haben, dann bleiben sie.“

Jetzt aber feiern sie erst einmal ausgiebig das 90-jährige Bestehen ihrer Musikkapelle – mit einem langen Wochenende, vielen Gästen und einem großen Musikfest.

Karten für das Auftaktkonzert mit Peter Schad und seinen Oberschwäbischen Dorfmusikanten gibt es bei Hutter Reisen in Leutkirch, Werkhausgasse 8, oder im Bistro Casa Rossa in Bad Wurzach, Ravensburger Straße 2. Weitere Informationen im Internet unter www.musikfest-willerazhofen.de

Scroll to Top